Ballast

Start: 73 - 60 , 59 , 58 , 57 , 56 , 55 , 54 , 53 , 52 , 51 , 50 , 49 , 48 , 47 , 46 , 45 , 44 , 43 , 42, 41 ,(40) , 39 , 38,37,36, 35 - 1,66 cm

Die Reisende

Hallo liebe Wanderer in der weiten unberechenbaren und gefährlichen Blogger Welt, der sich hierher verirrt hat!

 Erlaubt mir ein Mädchen vorzustellen: Ihr Name ist Hanna.
Hanna liebt es zu malen, zu zeichnen, zu fotografieren und kreativ zu sein. Sie ist ein fröhliches Mädchen, das gerne in der freien Natur ist, so viel lacht und es liebt Dinge zu unternehmen, zu tanzen und zu singen, zu küssen und zu leben.
Sie denkt sich Rezepte aus, näht Kissen und Kleidung, und hat einen wunderbaren Humor, der Leute verzaubern kann.
Die Leute sagen sie sei selbstbewusst,offen und fröhlich. Und so lebendig! Ein Mensch, den man gerne hat, den man liebt und der leicht Anschluss findet.
Man sollte meinen sie habe ein rundum glückliches Leben. Ein Leben wie in einer Seifenblase. geschützt, behütet, eingebettet in ein weiches Nest aus Freunden und Familie.
 



 Doch da gibt es noch das Federmaedchen.

 Auch sie ist ein Mädchen. Aber wenn die Menschen sie sehen, dann fallen ihre Beschreibungen anders aus.
Sie tuscheln.
Sie sehen ein Mädchen, das gerne glücklich wäre, ein Mädchen, das traurig wirkt, neben Hanna. Irgendwie weniger lebendig. Sie wirkt müde und leer, kaputt.
Irgendwie wirkt sie sehr kaputt.
Das Mädchen sieht aus, als sei sie in freiem Fall. Als müsste man sie auffangen, damit sie nicht wegfliegt. Man müsste sie festhalten und stützen.
Und die Leute fragen sich:
Was ist mit diesem Mädchen los?
Ich kann es euch sagen.
Dieses Mädchen hat Anorexie.
Es ist noch gar nicht lange her, dass es begann. Sie kann sich gut erinnern. Im Sommer 2011 spürte sie es das erste Mal.
Es war kein schlechtes Gefühl, dieses Kribbeln, diese Lust etwas zu ändern.
Denn das Federmaedchen ist kein so glücklicher Mensch wie Hanna. ...
Sie ist unzufriedener, ehrgeiziger und disziplinierter. Sie sah ihren Speck, ihre mangelnde Perfektion und ihren Körper.
Sie sah die anderen Mädchen und sie sah, dass sie auch so sein wollte. Schön. Begehrenswert.
Was sie nicht sah war, dass sie geliebt wurde.

 Trotz der damals 73 Kilo.
 Es begann harmlos. Sie begann eine Diät. Nichts gefährliches...?


 65 Kilo erreichte sie im Juli.
60 Kilo waren es im August.
55 Kilo wog sie im September.

Sie hörte nicht auf die leisen Wahrnungen von Hanna, oder von ihrer Familie, die sie damals zum ersten Mal zu einem Therapeuten schickten.
Das Federmaedchen aß beinahe gar nichts mehr.
Sie machte sich Pläne über Kalorien, 200 Kalorien am Tag. Mal 300.
Aber sie liebte das Essen, mindestens so sehr wie sie es verabscheute. Sie merkte nicht wie krank sie war und fühlte sich stark.
Sie konnte abnehmen, dann konnte sie auch irgendwann wieder essen, so dachte sie sich. Sie begann ihr Essen aufzustocken.
Von 400 Kalorien würde sie nicht zunehmen. Ebenso wenig von 500.
Sie kannte sich aus, wusste alles über Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe. Und sie sollte Recht behalten.

 50 Kilo wog sie im Oktober.
45 im November.

 Doch auch wenn sie abnahm schien es so, als würde sie gesund werden. Die Therapie schlug an. Sie wollte ihr Gewicht halten, oder zumindest nicht mehr abnehmen.
Sie sah pieksige Knochen und Kanten, die nicht schön waren.
Alle dachten es ginge bergauf.Alle dachte dadurch, dass sie wieder esse sei sie gesund. Doch es war anders.

Was für ein Irrtum

 Ein Fressanfall und sofortiges erbrechen nach dem anderen bestimmten Ihren Dezember, sie verfolgten sie im Januar und ließen sie

 51 Kilo im Februar wiegen.

 Sie begann sich zu hassen, ihren Körper zu hassen. Sie begann sich zu schwören abzunhemen, sie begann abzunhemen. Exzessiver als zuvor. Verbissener. Ungesunder und kränker.
Es wurde zu einem Inhalt ihres Lebens, den sie nicht mehr so leicht abschütteln konnte.
Es war anders als damals.

 Damals als sie das Essen geliebt hatte. Sie hatte es sich verboten, aber sie hatte es geliebt. Damals hatte sie nur Angst dick zu werden, doch etwas hatte sich geändert.
Essen begann ihr Angst zu machen.
Ihr Körper begann ihr Angst zu machen. zunächst schleichend, dann immer deutlicher.
Plötzlich konnte sie nichts mehr essen ohne erbrechen zu wollen.
Konnte nichts mehr ansehen ohne gleichzeitig auch die Kalorien zu sehen.
Sie mag nichts mehr essen.
Sie mag den Anblick nicht.
Mag den Geruch nicht.
Der Anblick, wenn andere Essen in sich reinschlingen widert sie an.
Der Gedanke an die Waage ängstigt sie.

 50 Kilo im März.
48 Kilo im April.
45 Kilo Anfang Mai.

 Sie war nicht glücklich. Niemals glücklich. Mit keiner Zahl. Egal was die Waage zeigte, es war nicht genug.
Und sie wusste: Es würde nie genug sein.
Ihre Eltern machten sich Sorgen.
Zu Recht. Sie sahen wie ihr Kind in einer Spirale versank. Die Spirale aus Abnehmen und Schuldgefühlen. Sie sahen zu wie ihr Kind verhungerte, ein Wrack, das dünner und dünner wurde, fror, essen muste, aber nichts essen konnte.
Sie sahen das Mädchen, dass weinte. Das untergewichtige Geschöpfchen, dass nur fett im Spiegel sah, wo andere Knochen erblickten. Das kein Fett mehr hatte, wo einst etwas gewesen war.
Mit dem Fett war das Leben irgendwie verschwunden.

 42 Kilo am Ende Mai.

 Ihre Eltern mussten sie anflehen etwas zu essen. Sahen mit jeder ausgelassenen Mahlzeit wie ein Stückchen ihre geliebten Kindes verschwand.

 Dann, im Juni waren es plötzlich nur noch 39 Kilogramm.

 Sie wusste, dass etwas schiefgelaufen war. schrecklich schiefgelaufen. Doch sie konnte es nicht ändern. Nicht alleine.
Sie war am Ende.
Körperlich.
Seelisch.
Sie wusste, dass sie Hilfe brauchte, bevor es zu spät war. Ihre Reise ist noch nicht zu Ende. Noch lange nicht. Aber sie schlägt wieder einmal einen anderen Weg ein.
Federmaedchen geht in die Klinik.
Ana geht mit. Der Schatten, die stille Begleiterin.
Aber Federmaedchen will nicht mehr von Ana begleitet werden. Sie will wieder lachen können.


 Federmaedchen will wieder Hanna sein können.

Kommentare:

  1. Ich danke dir für dein kompliment, mir gefällt dein Blog auch sehr. Aber noch viel spannender als dein blog finde ich deine texte, oft sprichst du mir damit aus der seele. Ich wünsche dir so vieles, vorallem Kraft und auch Mut irgendwann dich selbst zu akzeptieren unabhängig von deinem Gewicht. Ich denk an dich.

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    1. Ich hoffe auch, dass ich das irgendwann mal schaffen kann. Meine texte sollen irgendwann glücklicher werden und ich hoffe, dass ich irgendwann ma sagen kann: So jetzt bin ich da!

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  2. ich hoffe, du bekommst noch eine chance bevor du stirbst. :( - also... ich hoffe du stirbst nicht zu überraschend für dich selbst.

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    1. Bist du noch da?
      Lebst du noch?
      Hallo?
      Ist da noch jemand?
      Hanna? Federmädchen?

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  3. ich hoffe, dass ana bald aus deinem leben verschwindet und dir platz für die schönen dinge macht. viel mut & kraft wünsche ich dir auf diesem weg, alles liebe.

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  4. '' Federmaedchen will wieder Hanna sein können.''
    federmaedchen wird wieder hanna sein können!
    ich wünsche mir so sehr, dass du das schaffst!
    ich hoffe und bete für dich, dass du wieder glücklich wirst und dass du nicht daran stirbst. ich glaube, ich könnte das nicht vertragen,
    wenn auf einmal kein post mehr kommt. ich hab dich sehr gerne,
    deine kommentare bauen mich immer wieder auf und ich freue mich auch immer,
    wenn du mir einen kommentar schreibst. ich möchte,
    dass du wieder lachst und glücklich bist und dass du federmädchen hinter dir lässt und wieder hanna bist!
    ana soll dich verlassen. sie tut dir nicht gut.
    ich wohne in köln. wohnst du auch in köln? ich habe nicht genug gestalkt, um zu erfahren, wo du wohnst. die meisten tollen menschen wohnen sowieso viel zu weit weg von mir.
    ach gottchen, ich würde dich so gerne mal richtig drücken,
    weil mich dein text mega traurig macht.
    deine posts sind immer schön geschrieben,
    aber inhaltlich manchmal echt richtig traurig.
    manchmal will ich sie auch gar nicht mehr lesen, weil sie mich so traurig machen.. ich möchte nicht, dass du stirbst. du hast das leben verdient.
    ich werde auch weiterhin deine posts lesen und mit dir hoffen,
    dass du wieder gesund wirst und wieder richtig spaß am leben hast.

    ich hab dich lieb.
    liebe grüße:*

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  5. wundervoll geschriebener blog.lese ihn unglaublich gerne.deine wortwahl *__*
    ich hoffe dass federmaedchen wieder hanna wird und sich alles zum guten wendet.
    Stay strong &fühl dich gedrückt

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  6. hei. wir kennen uns zwar nicht, aber ich drücke dir die Daumen, dass du es schaffst wieder Hanna zu sein!!

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  7. Glaub an dich und gib nicht auf! Wenn du erkannt hast, dass das Leben zu wertvoll ist, um es so wegzuschmeißen, dann hast du es schon fast geschafft!

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  8. Du schaffst das! Ich glaub auch an dich!

    PS: Wie groß bist du?

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  9. Ana geht vielleicht mit dir in die Klinik mit, aber ich wünsche mir sososo sehr für dich, dass du ohne sie zurück kehren wirst.
    Ich habe gerade deinen Text über dich gelesen, und es hat mich so traurig gemacht. Man merkt, wie du immer mehr in der ES versunken bist und nun gar nicht mehr weißt, wie du diesen Teufelskreis alleine durchbrechen kannst. Das ist wirklich so traurig.
    Darum finde ich es sehr, sehr mutig und beeindruckend von dir, dass du nun endlich bereit bist, für dein Leben zu kämpfen, und in die Klinik gehst.
    Ich habe das alles selber schon hinter mir und weiß, wie schwer es ist.
    Aber man kann es schaffen, wenn man den Wille dazu hat. Und den hast du!
    Wichtig ist nur, dass du in der Klinik wirklich gut mitmachst. Die ersten Wochen werden sicher hart für dich werden, sind sie für jeden. Dein Leben wird sich dort total ändern, DU wirst dich ändern, ändern müssen.
    Versuche, dort nicht zu betrügen, und gut mitzuarbeiten.
    Sobald man damit anfängt, alle zu belügen und zu schummeln, indem man Wasser vorm wiegen trinkt und Essen verschwinden lässt, betrügt man auch sich selber. Sei ehrlich zu dir selbst und zu den Betreuern und Ärzten dort. Sie wollen alle nichts böses von dir, auch wenn es dir erst so vorkommen mag. Alle wollen nur, dass es dir besser geht, wollen dir helfen.
    Nimm diese Hilfe an!
    Ich hoffe so sehr, dass du es dort schaffen wirst, wirklich. Ganz, ganz, ganz viel Glück! <3

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  10. Könntest du vielleicht Bilder posten, indenen man deinen Gewichtsverlust sieht? Das wäre interessant.
    Ich glaub an dich, dass du es schaffst wieder gesund zu werden.
    Ich wünsch dir dabei ganz ganz viel Glück :*

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  11. "[...] Ihre Eltern mussten sie anflehen etwas zu essen. Sahen mit jeder ausgelassenen Mahlzeit wie ein Stückchen ihre geliebten Kindes verschwand.[...]"

    Diese Worte erinnern mich an das Flehen meiner Mutter damals, als ich noch 45kg wog (Feb.) ...
    Sie weinte und sah bestimmt das Gleiche wie deinen Sätzen sagen ...
    Sie liebt mich mehr als alles andere auf der Welt und sah das Geliebte verschwinden ...
    Das ist das Allerschlimmste, was passieren kann!!!

    Ich brach im Zimmer zusammen - emotional ...
    So müde vom Hungern und Weinen, bin ich in der Position, in der ich geweint hatte, eingeschlafen ...
    Irgendwann sah meine Mutter in mein Zimmer und fing auch an zu weinen und bat mich, so flehend, darum, dass ich etwas esse - Egal was!
    Dann stopfte ich mir eine Schüssel Milchreis rein (anfangs mochte ich nur breiige Sachen - gehen leichter runter) und es ging mir besser und ich habe es gehasst, Sorgen zu erregen.
    Ein Grund dafür, dass ich mich immer zurückziehe, weil ich niemanden belasten will ...
    Sie war so erleichtert ...

    Momentan wiege ich 12kg mehr und bin kurz über der kritischen Gewichtsgrenze ...
    Na ja, immerhin besser als in dem lebensbedrohlichen Bereich, in dem ich mit 44,9kg war (173cm bin ich groß) ...

    Doch ich muss sagen, dass ich jetzt in der Therapie bin (ambulant, weil ich anfangs schnell Fortschritte machte und das Gewicht gut halten kann)
    und trotzdem froh bin, wenn ich nicht kontrolliert werde und wieder abnehmen kann ... Dieser Zwiespalt in mir ...

    Diese Störung ... Diese Sucht ... zerstört so viel ...

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  12. ich glaube, dass du es im mom schaffen kannst zu sein, was du willst. ich glaub daran, dass du nicht verschwiden musst, obwohl ich deinen blog nich nicht lange lese. alles liebe

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  13. hallo liebe hanna,
    ich wünsche mir sehr für dich, dass du es schaffst! ich finde deinen bloq sehr schön aufgebaut und dass du wirklich gut schreiben kannst :)

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  14. Wie geht es dir nun? Bitte schreib doch mal wieder.....
    Liebe Grüße, Suse

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  15. Hey :) Ich hab mich gerade ein bisschen durch deinen Blog gelesen und bin wirklich beeidruckt wie viel Stärke du allein durch dein Schreiben beweist. Ich hoffe, dass du Ana in der Klinik zurücklassen kannst und dass das kleine Federmädchen auch noch verschwindet und du nur noch die Hanna bist, die deine Freunde und deine Eltern so sehr lieben. Ich wünsche dir ganz viel Kraft auf deinem Weg und hoffe, dass du dein Leben irgendwann wieder richtig genießen kannst und dass du deinen Körper und auch dich beginnst zu lieben. Das ist sehr wichtig, aber leider auch sehr schwer. Aber du schaffst das, das versichere ich dir. Du bist stark genug, um deine Krankheit zu überwinden und dein Leben selbst zu bestimmen und nicht von ihr bestimmen zu lassen. Alles Liebe, Luisa :)

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  16. man sollte nicht in Seitenblasen leben, aber man tut es doch. Seifenblase haben ungeahnte Nebenwirkungen, denn Seifenblasen machen einsam. Wo ist Hanna?

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  17. oh deine geschichte berührt mich so... ich hoffe du kannst bald wieder glücklich sein!

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  18. Du schöne Frau. Du bist genug, so wie du bist. Du bist es wert.
    Alles Glück für dich.

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  19. Gibt es eine Möglichkeit Dich zu kontaktieren? :)

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