Ballast

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Samstag, 9. Mai 2015

Sinn

Wenn man eine Essstörung hat, dann denkt man unweigerlich an, an irgend einem Punkt über das Thema Schuld nachzudenken. 

Ja, ihr lest richtig, ich bin immer noch da. Ich bin immer noch da, trotz allem, was passiert es.ich bin immer noch da. Immer wieder verletzt, immer wieder gefallen, immer wieder aufgefangen, und wieder hingestellt. Und ich denke immer noch. (Vermutlich werde ich damit auch nie aufhören, Auch wenn ich es mir manchmal wünsche, mein Kopf einfach ausschalten zu können, und mich ganz allein hinzugeben, was mein Körper und meine Seele sich wünscht.) aber, das ist es nicht worüber ich heute schreiben wollte. Heute sollte es um das Thema Schuld gehen.

Dieses Thema, kann ich in zwei Unterthemen spalten:

Erstens: Wer trägt die Schuld für meine Erkrankung?
Zweitens: Welche Schuld trage ich?
Wahrscheinlich, werdet ihr euch gerade gedacht haben: Niemand trägt hier irgend eine Schuld! Ihr werdet denken, was bringt es einen Schuldigen zu suchen? 
Aber,wartet erst mal ab. In dem Jahr, in dem ich an meiner Essstörung fast gestorben wäre, haben sich meine Eltern viele Vorwürfe gemacht. 
Immer wieder wurde gefragt,wie es passieren konnte, dass ich krank wurde. Irgendwer musste ja die Schuld tragen.während meiner Therapie, oder relativ schnell klar, dass äußere Umstände genauso dazu beigetragen haben, wie meine Familie.aber man kann schwer einen umstand zur Rechenschaft ziehen, das ist wenig befriedigend und war anfangs vermutlich auch zu wenig greifbar, zu einfach um die Wut und die Trauer aufzufangen. 

Wenn ich den Mathe Unterricht nicht verstehe, dann ist es für mich auch wenn ich befreiend auf mein Mathebuch einzuschlagen, ich weiß nämlich dass es keine Gefühle hat. Es hilft dagegen ungemein meinen Mathlehrer hinzuzuziehen, obwohl dies vermutlich unfair ist. Ein Gegenstand übernimmt keine Verantwortung. Ein Mensch hingegen schon.

War mein Vater schuld? Weil er so selten für mich da war?Und wir seinetwegen umziehen mussten und ich aus meinem Umfeld herausgerissen worden? 
Oder war meine Mutter schuld? Weil sie eine so dominante Persönlichkeit ist? Weil ich mich ihrer Kontrolle entziehen wollte? 
Oder waren gar beide Schuld?Weil sie immer geglaubt haben, es ging mir gut sich immer um die Probleme meiner Bruder gekümmert haben? 
Versteht es nicht falsch, ich habe mir diese Frage nicht gestellt, aber ich weiß, Dass meine Eltern sehr belastet hat. Ich habe nie jemanden die Schuld gegeben, denn ich weiß gar nicht ob man überhaupt von Schuld sprechen kann. 

Macht sich jemand, der gar nicht weiß, Das in einem Baum ein Eichhörnchen Familie wohnt, schuldig bin der diesen Baum fällt?oder, trägt er lediglich einen Teil der Verantwortung? Oder, trägt die Eichhörnchen Familie die Verantwortung, Weil wir auch woanders hätte nisten können? Weil sie vorbereitet hätte sein müssen auf ein Unglück? Keine Ahnung. 


Vielleicht hätte ich vorbereitet sein müssen auf alles was auf mich zukommt, vielleicht hätte ich die Konsequenzen abwägen müssen und vielleicht bin ich auch schuld.
ich kann nicht abschließend klären, wer nun die Hauptverantwortung trägt, ich kann lediglich alle Gründe zusammenfassen, auf einen Nenner bringen zusammenknüllen und in den Papierkorb werfen. Denn letztendlich spielt es keine Rolle letztendlich bin ich nun mal das was ich bin,die Vergangenheit ist geschehen. Die Gegenwart ist wie sie ist und die Zukunft… Tja, die Liebe Zukunft.
Aber, ich glaube ich habe mich ganz anders schuldig gemacht. Und diese Schuld ist eine die mich wirklich zerfrisst.Ich bin schuld, dass meine Familie langsam zerbricht. Ich bin schuld, dass wegen meiner Krankheit niemand auf meinem mittleren Bruder geachtet hat, der jetzt ebenfalls krank ist.ich hätte stärker sein müssen. 
Ich hätte achtsam sein müssen. Ich hätte aus meiner eigenen Krankheit lernen müssen und klug genug sein u zu erkennen, dass jetzt gar nicht darauf abgesehen hatte mich zu zerstören, sondern alles. Alles was mir liebes, alles was ich berühre.  Es ist nicht, was die Krankheit mit mir macht, es ist das was ich machte als ich sie in das System ein schleppte. 
Ich bin nicht schuld krank zu sein, aber ich bin schuld daran,was die Krankheit zur Folge hat. 

Ein Aidskranken ist nicht schuld an seiner Krankheit, aber er macht sich schuldig, wenn er mit Frauen schläft,die ebenfalls krank werden oder die kranke Kinder bekommen.

 Ich weiß nicht, ob das was ich  gerade schreibe einen Sinn ergibt. Ich weiß gar nicht wie viel Sinn das Wort Sinn in meinem Leben überhaupt macht. Meine Krankheit ist im Grunde unseren geworden in dem Moment, in dem ich nicht mehr sagen konnte, weswegen ich eigentlich die Gründe die ich kenne, nicht mehr zu bekämpfen weiß.meine Krankheit ist nicht mehr dazu da Dinge zu ändern, oder zu verbessern (auf ein Problem aufmerksam zu machen) dann meine Probleme offen sind, und die Dinge verändert.
Ich bin fast dazu verleitet vom Thema Sinn meiner Krankheit direkt zum Thema Sinn meines Lebens überzuspringen. Doch das würde vermutlich den Rahmen sprengen und außerdem ziemlich unsinnig sein wenn ich nicht vorher einmal den Begriff sind für mich klar definiert und eingegrenzt hätte.vermutlich würde ich irgendwann an einem Punkt kommen an dem ich mein gesamtes Leben und das gesamte sein für Unsinn  erklären, mein iPad aus dem Fenster werfen und mich in Luft auflösen  würde. Deswegen lass ich es.
Ich will gar nicht so tun, als sei das was ich hier schreibe, die absolute Wahrheit. Im Grunde genommen, könnte sogar totaler  Schwachsinn sein. Ich bin mir wirklich nicht sicher. Eigentlich sind es nur die Gedanken einer 18-jährigen, die es  einfach weiß sich auszudrücken. Es sind Verwirrungen und Irrungen verpackt in schöne Worte zusammengefügt zu einem Text, den ihr nun lest und entweder bejahen oder verneinen könnt. Mir ist auch klar, dass das Thema Schuld weitaus komplexer ist,  als ich es hier diskutieren könnte.
 In einem kleinen System wie in einer Familie ist es leichter, einen Schuldigen zu finden, als in einem großen, wie zum Beispiel der Welt.  Oder könnt ihr mir sagen wer verantwortlich ist für all das Unglück das gerade geschieht in dieser Welt? Wer ist schuld daran dass all die Flüchtlinge sterben? Wer ist schuld am Flugzeug Unglücken wer ist Schuld an Vergewaltigung wer ist Schuld an Massensterben wer ist Schuld an Terror?  ich weiß es nicht, und ich werde es auch nicht wissen. Das weiß ich. Trotzdem versuche ich manchmal aus meinen eigenen vier Wänden hinauszugehen und ein bisschen genauer hinzuschauen, ich glaube das ist wichtig für uns alle. Ich wünsche euch einen schönen Abend, obwohl ich gar nicht weiß, ob das hier überhaupt noch jemand liest..
Ich glaube Raffi, du warst mein grösster Verlust. 

Kommentare:

  1. Hi, das ist ein schöner Text und ich kann deine Argumente vollkommen nachvollziehen. Es geht darum, was wir aus der Krankheit machen, ob wir sie bekämpfen oder über uns regieren lassen. Das sehe ich auch so.

    Hab ich es richtig verstanden, dass dein Bruder auch an Magersucht erkrankt ist?

    Ich wünsche dir alles Gute! <3

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    1. Nein, nicht an Magersucht. erl leidet an Depressionen, hat einen Suizidversuch hinter sich, trinkt zu viel und nimmt Drogen. Er ist sehr traurig und ich verstehe langsam wie das ist, jemanden retten zu wollen, der sich nicht retten lassen will. Es ist ein schreckliches Gefühl, er hat sich sehr verändert, so wie wir alle uns verändert haben, seit ich krank bin.

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  2. Schön, dass du dich meldest - wie geht es dir?

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    1. Wie es mir geht? Auf einer Skala, bei der 0 der Zeit meiner allerschlimmsten essgestörten Phase Phase entspricht. Mit dem ganzen Horror der dazugehört und 10 meiner Erinnerung an Chartres, dann liege ich abhängig von der Tagesordnung zur Zeit zwischen 4,5 und 6,5. ich kann glücklich sein, aber auch sehr traurig. Ich kann nicht bei einer 10 sein, wenn ich krank bin, aber auch nicht bei einer 0, wenn ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe, bald gesund werden zu können :) Liebe Grüße!

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  3. natürlich liest das hier noch jemand. :)
    ich hoffe, dass heute die sonne für dich scheint ♥

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  4. Ich hab gerade zufällig auf deinen Blog geschaut und gesehen dass du schreibst. Mich freut es von dir zu lesen.
    Ich finde die Frage nach der Schuld kann man nicht beantworten... Denn eigentlich ist wirklich niemand direkt Schuld, würde ich sagen...

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  5. Hallo und zunächst eine Frage, möchtest Du lieber als Federmädchen, oder als Hanna angesprochen werden?

    Vielen Dank für Deinen Kommentar, Waldmeister ist wunderschön wenn er blüht, auf meiner Balkontreppe verstecken sich auch ein paar Waldmeister-Pflanzen.

    Ich bin mir nicht sicher, ob Du mit „Schuld“ das richtige Wort benutzt, vielleicht wäre es besser von „Ursachen“ zu reden. Oft meinen die Menschen es nicht böse, auch wenn sie mit ihren Handlungen etwas Schlechtes hervorrufen – und oft sehen sie dieses Schlechte nicht einmal.

    Ich wünsche Dir in jedem Fall, dass Deine Reise in die richtige Richtung geht und Du so an einen Ort kommst, an dem Hanna sich wohl fühlt.

    Liebe Grüße, Pirandîl

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  6. vielen dank für deinen kommentar :) ja, so ähnlich war das auch mit den eindrücken. oftmals kommen dabei die kreativsten sachen raus, wenn man sich einfach vor ein weißes blatt/dokument setzt und drauf los schreibt.
    ich finde deine gedankengänge und überlegungen interessant und es ist gut, dass du selbst-reflektiert bist. ich bin gespannt weiter von dir zu lesen und wünsche dir nur das allerbeste. allem voran wünsche ich dir freiheit. ♥

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  7. Vielen Dank. ♥
    Ich weiß, meine Mutter meinte es nicht böse, aber manche Dinge/ Worte bleiben nun mal hängen, ob wir wollen oder nicht..

    Du bist total lieb. Ich hab nicht viel von dir gelesen, kenne dich eigentlich kaum, aber du bist liebenswert.

    Fühl dich angelächelt & komm gut in die nächste Woche :3

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  8. Liebe Federmädchen,
    danke für deinen Kommentar! Ich weiß noch gar nicht, worüber und wie oft ich posten werde, aber immerhin bin ich wieder da. Wäre ja irgendwie auch schade um den Blog, den aufzugeben.

    Liebe Grüße und schönen Abend noch!
    Elena

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  9. Wow, ich habe meinen ursprünglichen Blog gar nicht mehr und hatte in der Zeit schon andere, die auch nicht mehr sind. Wie schön wieder von dir zu lesen, auch wenn du nicht wissen wirst wer ich bin.
    Alles was ich sagen kann ist: viel Kraft.
    Kraft für dein ganzes Leben <3

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