Ballast

Start: 73 - 60 , 59 , 58 , 57 , 56 , 55 , 54 , 53 , 52 , 51 , 50 , 49 , 48 , 47 , 46 , 45 , 44 , 43 , 42, 41 ,(40) , 39 , 38,37,36, 35 - 1,66 cm

Freitag, 11. Juli 2014

Care

Ihr kennt sie alle. Diese Menschen, von denen ihr euch wünscht, ihr wäret ihnen nie begegnet. 
Sie sind überall, lauern hinter jeder Ecke und überraschen dich in allen Situationen deines Lebens.

Du triffst sie im Bus. Es ist der abgerissene Junge, der nicht aufsteht, während eine Alte Dame mit dem Gleichgewicht kämpft. 
 Der Alte Herr, aus dem Nachbarhaus, der regelmäßig die Polizei ruft, wenn die Musik zu laut ist, oder Jungs gegen sein Garagentor Fußball spielen.
Es ist der Typ, der im Cafe immer zehntausend Sonderwünsche hat, aber nie Trinkgeld gibt, oder der Lehrer, der alle Abgabefristen immer viel zu genau nimmt.
Man trifft sie am Arbeitsplatz, der unfähige Kollege, dessen Jobs du immer übernehmen musst, weil er es nicht auf die Reihe bekommt, es ist der Mensch, der mit seinem vier/fünf/sechser BMW ständig auf dem Behindertenparkplatz parkt, obwohl er offensichtlich kerngesund sind.
Es ist das Mädchen in der Bahn, dass dich die ganze Zeit böse anschaut, obwohl du noch so freundlich zu lächeln versuchst.
Es sind all diese Menschen über die du nur den Kopf schüttelst, denen du vielleicht nur ein stummes 'Arschloch' hinterherwirfst, aber ansonsten keine Gedanken verschwendest.
Aber vielleicht, ganz vielleicht, ist es wichtig genau das mal zutun.

Der Junge aus der Bahn zum Beispiel. Vielleicht lebt er sein ganzes Leben lang schon in einem kleinen Reihenhaus, mit seinen fünf Geschwistern und seinen Großeltern zusammen. Sein Vater trinkt und verprügelt die Mutter ständig. Er ist von zu Hause abgehauen, fährt die ganze Nacht schon in Bus und Bahn umher, weil er ansonsten keinen Platz hat, an dem er schlafen kann. Er bemerkt die alte Dame nicht. Er ist zu müde und zu traurig.
Dieser Junge hätte es verdient mal in den Arm genommen zu werden.

Der alte Herrwar 50 Jahre lang mit seiner Frau verheiratet, er war sehr glücklich in seinem Leben, auch wenn er immer zu kämpfen hatte. Er verdiente nicht viel, aber das was er hatte legte er zurück, um sich seinen Traum eines unbeschwerten Lebensabends mit seiner Frau zu verwirklichen. Manchmal half er am Haus der Jugend aus. Schnell bemerkten die Jugendlichen, dass das alte Ehepaar wehrlos war und Bargeld im Haus besaß. Eines Nachts brachen sie ein und beraubten die Beiden. Die alte Dame überraschte die Einbrecher, bekam einen Schlag auf den Kopf und starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Dieses Erlebnis hat den alten Mann gebrochen. er hat sein Vertrauen verloren, seine Ersparnisse und seine Frau. Er sieht keinen Grund mehr freundlich zu sein, innerlich zerfressen und getrieben von Verzweiflung und Existenzangst.
Dieser Mann hätte es verdient, dass man ihm hilft wieder Vertrauen in die Menschheit zu gewinnen.

Der unfähige Kollege vom Arbeitsplatz ist zweiunddreißig. Er wird jeden Morgen von seiner Mutter geweckt. Seine Tasche steht schon am Esstisch, mit einem Marmeladenbrot und einem Brot mit Käse in der Tupperdose. Sie rückt ihm seinen Schlips zurecht und schaut ihm nach, wie er ein bisschen verloren über die Einfahrt stolpert um noch rechtzeitig seinen Bus zu bekommen. Er war schon immer der Verlierertyp gewesen, als Frühchen geboren, in der Entwicklung verzögert, war er schon immer gemobbt und in der Schule nie akzeptiert worden. Als er endlich seine Schule beendet hatte, begann er mit der Suche nach einem Arbeitsplatz, aber niemand wollte ihn haben. Es gab offensichtlich keinen Platz für ihn.
Egal wie sehr er sich bemühte, Bewerbungen schrieb und sich vorstellte. Sobald die Menschen ihn persönlich kennenlernten, ihn unsicher vor sich herstottern hörten, verloren sie ihr interesse. Ließen ihn fallen.
Als er doch endlich in einem Betrieb angenommen wurde, war er unglaublich stolz, seine Eltern luden ihn ins Restaurant ein und sie stießen an. Er bemühtsich, er ist jemand, der sich immer bemühen muss in seinem Leben. Ihm wird nichts hinterhergeworfen, das wurde es noch nie.
Dieser Mensch hat es verdient, ihn jeden Tag aufs neue zu unterstützen.

Care
Und dann ist da noch das Mädchen in der Bahn. Sie hat zu viel erlebt für ihr Alter. Sie hat eine schwere Krankheit, schon drei Klinikaufenthalte hinter sich und so gut wie alle sozialen Kontakte verloren. Seitdem sie umgezogen ist, fühlt sie sich fremd, egal wo sie ist. Sie kommt gerade von der Arbeit, wo sie den Typen getroffen hat, der nie Trinkgeld gibt und immer zehntausend Sonderwünsche hat. Sie hat den ganzen Tag gelächelt, war fröhlich. Hat stundenlang heile Welt gespielt und versucht alles Belastende zu verdrängen. Erst in der Bahn beginnt die Fassade zu bröckeln. Sie sieht den Mann, der sie so net anlächelt, aber all die Wut, die sich so lange aufgestaut hat, lässt ihre Gesichtsmuskeln verkrampfen. Sie hat keine Kraft zurückzulächeln. Es wäre ja ohnehin wieder nur gelogen.
Dieses Mädchen bin wahrscheinlich ich.

Meine Mama hat mir immer gesagt, wenn ich solche Menschen getroffen, mich über sie aufgeregt habe.
"Stell dir all diese Menschen als kleine Kinder vor. Du weißt ja garnicht, was ihnen passiert ist, vielleicht wurden sie zu Hause geschlagen, oder so."
Ich finde es ist ein schöner Gedanke,den meine Mama da hatte. Sie hat den gedanken jedem menschen eine Chance zu geben, egal wie schlecht er einem erscheint.
Hinter all diesen Momentaufnahmen, in denen wir uns Meinungen bilden , verstecken sich Schicksale, die wir nicht kennen, aber die wir kennen sollten, um wirklich ein Recht zu haben, diese Menschen zu verurteilen. 
Vielleicht denkt ihr das nächste mal, daran, wenn ihr diesen Menschen begegnet. 
Ich glaube jeder von ihenen hat es verdient, dass wir einfach weiterlächeln, auch wenn wir eigentlich den gegenteiligen Impuls haben. Vielleicht klappt es nicht immer, aber wenn zu einem unter hundert die Nachricht durchdringt, das Lächeln durchdringt, war es das doch wert.

Ich verabschiede mich für die nächsten drei Wochen. Ich verreise.
Ich hasse es Koffer zu packen. Ich bin nicht der Mensch, der sich gerne entscheidet, also habe ich mich dieses Mal dafür entschieden mich nicht zu entscheiden und habe einfach alles greifbare mitgenommen (und die Hälfte trotz allem wahrscheinlich vergessen.)
Ich hoffe ihr genießt die Sonne, ihr genießt die Zeit und ihr macht etwas drauß (ja, ich kennen den unterschied zwischen Leben und Leben, also dem leben, von dem man in drei Jahren sagt, man hätte es verschwendet und dem Leben, von dem man noch in Jahren erzählt.)
Ich werde nun mal ein bisschen Leben, denn wisst ihr wohin die Reise führt?
Nach Chartres.

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Edit, alle Rechte an den Bildern, die ich hochlade liegen bei mir(everything real made by hanna), ich wäre sehr glücklich, wenn sie nicht für irgendwelche dubiosen Seite missbraucht würden :))


Sonntag, 6. Juli 2014

Leider, Leider.

Leider bin ich gerade zu 100% wütend auf dich.
Ich würde dir gerne so viel sagen, aber ich weiß nicht, wie ich es tun soll, denn leider werde ich wahrscheinlich zu weinen anfangen. Du wirst es ohnehin nur als komische Laune abtun, denn leider verstehst du mich nicht.
Du bist meine beste Freundin, mein Bär, der immer mit breitem Kreuz vor mir steht, du verstehst mich....meistens.
Leider bist du auch mein ärgster Feind. Du kennst mich zu gut, du weißt wo du draufschlagen musst damit es weh tut (du weißt aber auch wie man tröstet) und leider schlägst du sehr gerne um dich.
Ich hab dich lieb und ich würde es dir gerne, immer jeden Tag zu jeder Minute, jeden Moment zu jeder Sekunde zeigen, aber leider willst du es nicht sehen. 
Ich möchte es dir immer recht machen, möchte jede Chance nutzen um ein liebes Wort von dir zu erhaschen, möchte, dass du mich drückst, dass du mich lieb hast, dass du mich einfach so nimmst wie ich bin. 
Leider bist du ein Mensch, der das nicht kann. Ich trage in meinem Leben verschiedene Kämpfe aus, meinst du, dein persönlicher Kampf gegen meine Essstörung würde irgendwas erleichtern? Leider nicht. 
Ich weiß, dass du denkst, du würdest mir damit helfen. Tust du leider nicht.
Ich verstehe dich nicht. Ich verstehe dich nicht immer.
Ich verstehe nicht, warum du immer alles kontrollieren musst, ich verstehe nicht, warum du mich nicht einfach mal sein lässt. Meinst du nicht, dass würde den Kontakt zwischen uns verbessern?
Merkst du überhaupt wie du mir immer und immer wieder wehtust?
Merkst du eigentlich wie ich immer versuche dir mit allem möglichen zu helfen? Dir Probleme abzunehmen, (obwohl ich anscheinend dein größtes Problem bin) dir den Rücken zu stärken und dir das Gefühl zu geben der beste Mensch meines Lebens zu sein? Merkst du eigentlich wie oft ich deinetwegen weine? Ich glaube leider, du merkst es nicht.
Wie auch. Du verbringst deine Zeit ja meistens damit zu rauchen. In dieser Zeit störe ich nur. Oder du spielst an deinem Handy. Dann habe ich nichts bei dir zu suchen. Immer wenn ich dann versuche Kontakt mit dir aufzunehmen, gibst du mir das Gefühl unerwünscht zu sein. 
Okay. Ich stör dich lieber nicht. Tschuldige, ich nerv ja nur. Naja, ich lass dich besser in Ruhe. 
Wie oft hab ich mir gewünscht, eine Figur in deinem Handyspiel zu sein. Für deine Gildenmitglieder bist du doch auch immer da, oder nicht? Hast du nicht gesagt, du bist sowas wie die Gildenmama? 
Leider bin ich nuneinmal wer ich bin.
Was glaubst du eigentlich, warum ich die meiste Zeit von zu Hause flüchte? Mich in Arbeit vergrabe? Vielleicht, weil ich so gerne in deiner Nähe bin, aber dich leider nicht ertragen kann.

Ja Mama, du bist sauer auf mich. Knall ruhig mit den Türen. ist schon okay. Gib mir nochmal das Gefühl ein schlechter Mensch zu sein, benimm dich nochmal so richtig erwachsen!Hey breite doch einfach mal alle Aspekte unseres streits vor meinen Brüdern aus, versuch mich doch nochmal richtig bloszustellen. Hau nochmal drauf, wenn du Glück hast geh ich diesmal wirklich kaputt. Ist es das was du willst. Was muss ich tun, damit du dir mal wieder richtig Zeit für mich nimmst? Muss ich mir wieder den Kopf blutig schlagen? Da hast du mal wieder richtig Emotionen gezeigt. Gut, leider waren es keine positiven, du hast die Chance gewittert mich nochmal blosszustellen. Aber immerhin.

Tja. Nichtmal die Hälfte von dem was bewegt ist gesagt. Aber es bringt ja ohnehin nichts. Ich sehe es vor mir, wie du das hier liest (denn du musst das hier lesen,du liest es immer. Warum? Vielleicht gibst du Morgen nochmal irgendeinen verächtlichen Kommentar ab, um mir deutlich zu zeigen, dass du auch dieses kleine Geheimnis, alle meine Gedanken, die dich eigentlich nichts angehen, die ich extra nur mit Menschen teile, die ich eigentlich nicht kenne, entdeckt hast. Leider magst du meinen Blog nicht besonders, das wirst du mich auch hoffentlich ordentlich spüren lassen) 
Du wirst das hier gelesen haben, wirst immer wütender geworden sein, wirst manchmal verächtlich geschnaubt haben. Du wirst dir eine Erlärung zurechtlegen, warum ich das hier geschrieben habe, die entweder damit zutun hat, dass ich krank bin, dass sich alle gegen dich verschworen haben, oder dass ich mal wieder irgendeine komische Laune am Wickel habe. 
Aber die richtige Lösung wird dir nicht in den Sinn kommen. Schade eigentlich.
Leider wird dich dieser Post wahrscheinlich nur wütend machen. Ist mir egal. Du hättest ihn ja nicht lesen müssen. Du hättest ihn nicht lesen müssen, wenn du meiner Bitte gefolgt wärest, nicht mehr meinen Blog zu besuchen. 
Weißt du. Leider hab ich dich lieb. Deshalb tut es mir immer so weh, wie du mit mir umgehst.
Ja, sicher liegt es nur daran, dass ich so empfindlich bin und dass ich in alles etwas reininterpretiere, komm lach nochmal genervt, damit fühle ich mich gleich ein bisschen besser.


Und was soll ich jetzt machen? Ich geh jetzt ins Bett. Ich hab keine Lust mehr, mir Gedanken zu machen.      Aber willst du dir nicht ein paar machen? Zum Beispiel, ob nicht meine Essstörung und meine Arbeit im Moment die einzigen Teile meines Lebens sind, die du nicht zu 100 % kontrollieren kannst?
Es ist schön zwei Dinge zu haben, in denen ich mich halbwegs sicher fühlen kann. Traurig, oder?

Das Leben wird weitergehen, so, wie es das immer tut. Ich würde dir gerne 1000 Sachen sagen. Aber es bringt ja eh nichts. Jetzt bin ich leergeweint. Zu 100 % traurig und mit dem Gefühl dir egal zu sein. Ich hab keine Kraft mich ewig gegen deine Launen zu stemmen. Du hälst es einfach länger durch auf mich sauer zu sein. Herzlichen Glückwunsch. Du liebst es doch zu Gewinnen, oder? Na, dann koste den Sieg mal richtig aus, trink mit deiner Gilde einen Zaubertrank drauf. Cheers.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Eine kleine Geschichte

Mein Name ist Leni und ich hatte ein Problem.
Ich bin hässlich. Ziemlich hässlich sogar. Und dick. Niemand spricht mit mir. Meine Mama sagt, dass läge daran, dass ich so besonders bin. Dass besonders gleichbedeutend mit 'unnormal' ist, das verstehe sogar ich. Mein Bruder meint, es käme daher, dass ich doof bin.
Er hat recht. Schlau bin ich tatsächlich nicht. Aber ist das ein Grund jemanden auszugrenzen?
Ich kann gar nichts. Also nichts besonderes. Ich kann nicht singen, ich kann nicht besonders gut malen. Das Tanzen hab ich nie probiert, dafür war nie genügend Geld da. Naja, mit O-Beinen ist tanzen ohnehin nicht so leicht.
Als alle anfingen zu reiten, da konnte ich nicht mithalten. Ich habe Höhenangst.
Und Flugangst. Und Angst vor der Dunkelheit. Und vorm Zahnarzt (zu dem ich leider sehr oft muss, denn meine Zähne sind schief.) 
Was ebenfalls schief ist, ist meine Nase. Das störte mich am meistens, denn sie sehe ich sehr oft. Ich schiele nämlich ein bisschen müsst ihr wissen.
In der Schule wurde ich immer gemobbt und ausgegrenzt. Niemand wollte mich wirklich haben. Die Anderen sprachen selten mit mir, wenn, dann sprachen sie über mich. Oder sie lachten. 
Ich bin das, was man einen Loser nennt. Ein Opfer.
Irgendwann entschied ich, nicht mehr Opfer sein zu wollen. 
Und da begann mein Problem.
Ich machte mich schlau, ich recherchierte und suchte, tagelang, wochenlang und stieß letzendlich auf den Ursprung, auf die Quintessenz wahrer und vollkommener Coolness und Beliebheit.
Es nannte sich Fabercrombie und Bitch. 
Es heißt, wenn man eines, dieser besonders besonderen Kleidungsstücke am Körper trägt, gehöre man automatisch zu der Créme de la Créme, zu der Upper Class, dem inneren Zirkel.
 So ein Kleidungsstück musste ich unbedingt haben.
Doch ich stieß auf ungeahnte Schwierigkeiten, ein Paradox, dass es mir scheinbar unmöglich machte mein Ziel zu verwirklichen. 
Fabercrombie und Bitch hatte ausdrücklich gesagt, sie würden nur die wirklich coolen und beliebten Kids in ihrem Laden haben wollen.
Ich war nicht cool, und beliebt schon gar nicht. Aber ich würde es auch nie sein, wenn ich nicht in den Laden ginge in den ich nicht gehen durfte, weil ich etwas nicht war was ich sein wollte, aber nicht sein konnte, weil ich dort nicht hineingehen durfte. 
Es war zum verzweifeln.
Es vergingen Wochen, doch schließlich nahm ich all meinen Mut zusammen. Ich würde mich in diese Grauzone begeben, denn, wenn ich aus dem Laden rauskäme, mit einem der Kleidungsstücke, würde ich ja schließlich cool sein.

Vor dem Eingang des Ladens wurde mir wieder mit aller Wucht meine eigene Durchschnittlichkeit klar gemacht. ich hatte mein bestes Kleid angezogen und mich mühevoll frisiert, um nicht sofort als uncool enttarnt und des Ladens verwiesen zu werden, doch als ich auf eine Mauer aus nackten durchtrainierten Oberkörpern und langen blonden Haaren stieß, war mir klar, dass es schnell gehen musste.
Ich fragte einen der schönen Verkäufer, wo ich zuden Pullovern käme, denn alles war vollgebaut mit riesigen Topfpflanzen und mein schielen erleichterte mir die Orientierung in dem schummrigen Halbdunkeln auch nicht.
Der schöne Verkäufer verstand kein Wort von dem was ich sagte. Ob es an der Ohrenbetäubenden Musik lag, oder daran, dass er kein Deutsch verstand, konnte ich nicht herausfinden, denn gerade als er mir ein herzliches "Check us out on Facebook!!!", ins Ohr schrie, sah ich am Ende des Raumes ein Regal mit Pullovern. Nun war mir alles egal. Ich stieß Massen von fremden Menschen, die sich genau wie ich durch die engen Räume schoben vorbei und grabschte mir wahllos alle Größen, die es im Angebot gab. Die Ausbeute war enttäuschend. Nicht nur, dass das schlecht verarbeitete Kleidungsstück mein Budget wirklich schröpfte, es war mir außerdem zu klein. Ich suchte verzweifelt nach meiner Größe, doch sie war unauffindbar. 
Es nützte nicht. Ich kaufte mir zwei Pullover in Größe L, um sie zu Hause gegebenenfalls zusammenzunähen und verließ den Laden schnell.
Ich war zu ungeduldig die Pullover miteinander zu verbinden, schnell schlüpfte ich am nächsten Tag in den linken Ärmel des einen und in den rechten Ärmel des anderen Pullovers, um in der Schule in meiner neu erworbenen Coolness baden zu können.
Ich kam verzweifelter als jemals zuvor nach Hause, warf die Jacken in eine Ecke meines Zimmersund legte mich ins Bett. Nichts war anders gewesen. Ich war nicht cool, nicht beliebt und hübsch schon gar nicht. Gelacht hatten sie, wie immer. Gemein waren sie gewesen, wie immer. 
Meine letzte Rettung war dahin.
Erschöpft schlief ich ein.

Ich träumte. Ich träumte von einem Ort, der ganz ähnlich aussah, wie die Welt, wie ich sie kennengelernt hatte, aber nur ähnlich. Denn als ich auf die Straße ging und all die Menschen sah, konnte ich meinen Augen nicht trauen, sie alle waren hässlich und dick und ungeschickt und hatten schiefe Zähne und schielten und...
Ich sprach einen von ihnen an.
"Gibt es hier keine schönen und coolen und beliebten Menschen?" Ich war verwirrt.
Er offensichtlich auch. Er legte den Kopf schief und sah mich an (jedenfalls vermutete ich das, denn wie ich sah er wahrscheinlich nur seine Nasenspitze)
" Was meinst du?", fragte er verwundert,"Schön? Wir sind doch alle schön! Cool? Ich bin cool, du etwa nicht? Beliebt? Also ich mag mich. Ich glaube darauf kommt es doch an."
Mit diesen Worten ging er davon.

Als ich erwachte war mir einiges klar geworden. Mir war klar geworden, dass ich genau so wie ich bin, richtig bin, dass nicht ich diejenige bin, die hässlich und unnormal ist, sondern dass es die Gesellschaft ist, die versucht mir das weißzumachen. Wer entscheidet denn, was Schönheit oder Coolness bedeutet? 
Die Gesellschaft tut das! Aber was wäre gewesen, wenn ich in einer Gesellschaft aufgewachsen wäre, in der diese Worte ganz anders definiert gewesen wären?  Wäre ich ein anderer Mensch, wenn man mir mein ganzes Leben lang gesagt hätte, meine schiefen Zähne seien schön, mein Übergewicht sei sexy, meine dummheit sei cool, mein schielen sei normal...? Ich weiß es nicht. 
Also ich weiß es teilweise, ich weiß, dass ich nicht anders aussähe, ich würde nur mich selbst anders sehen.Ich glaube meine Einstellung zu mir wäre anders, ich würde nicht versuchen mich anzupassen, würde nicht versuchen müssen einem Ideal hinterherzujagen, dass jemand anderes für mich als optimal bestimmt hat. Ich wäre glücklicher.
Mein Name ist Leni und ich hatte ein Problem.
Viele Jahre meines Lebens dachte ich, dass andere Menschen bestimmen können, ob ich cool, oder angesagt bin, aber das hat sich geändert. Ich weiß jetzt, dass ich schön bin, vielleicht nicht nach gesellschaftlicher, äußerlich orientierter definition, aber nach meiner ganz eigenen.Ich habe etwas, ganz tief in mir drin, dass mir keiner wegnehmen kann.Und darauf kommt es doch an.


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BilD: http://www.vogue.co.uk/news/2013/07/25/abercrombie-and-fitch-investigated-for-discrimination-against-staff
Ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich in keiner Weise dem bekannten Label schaden möchte, das Bild mit den gut durchtrainierten jungen Männern stammt nicht von mir, ich habe keine rechte an diesem Bild.

Was stört am Blog?