Ballast

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Samstag, 31. Mai 2014

Alte Geister

Ich scrolle durch die Seiten. Es sind alte Kapitel meines Lebens, die ich immer wieder aufblättere, die ich lese, den ich manchmal hinterhertraure, die mich aber meistens schaudern lassen.
Meine Therapeuten rten mir in solchen Momenten meistens zu einer Standortbestimmung.
Fragen die dabei zu beantworten sind:
-Wo befinde ich mich gerade?
-Wo befand ich mich vor einem/zwei Jahren?
-Wo will ich hin?

Es fällt mir ein wenig schwer, diese Fragen befriedigend zu beantworten, es ist schließlich über ein Jahr her, dass ich das letze mal geschrieben habe, aber ich will es trotzdem versuchen, nicht zuletzt weil mein Herz trotz allem noch an diesem Blog hängt.

Wo befand ich mich also vor einem, beziehungsweise zwei Jahren.

Damals,vor jetzt ziemlich genau zwei Jahren, als ich in der Klinik am Korso ankam, war mein Gehirn, wie ich es hier eindrucksvoll dokumentiert habe in einem bemittleidenswerten Zustand. Mein 1damals noch 15 Jähriger Verstand hat wirklich geglaubt, dass ich in die Klinik reingehen, ein bisschen zunehmen würde (natürlich nur ein bisschen, und zwar ohne allzu viel essen zu müssen) und mit einem völlig regeneriertem Stoffwechsel und kerngesund wieder herausspazieren würde. 
Bullshit.
Als kleine Information am Rande: Wenn du als Haufen Knochen auf der Jugendstation einer Klinik ankommst, dein Zustand mit Abstand der bemittleidenswerteste und dein BMI zu allem Überfluss auch noch der niedrigste ist, wirst du von allen entweder beneidet (Team Anorexie) oder gehasst (Team Bulimie).
Oder beides. Nachdem eine meiner Mitpatientinnen mir stolz eröffnete, dass sie nach sechs Wochen Behandlung gerde einmal ein Kilo zugenommen hätte, steckte ich es mir also als höchstes Ziel genau dies auch zu erreichen.
Und, wen möge es wundern, ich verließ die Klinik mit exakt dem selben Gewicht, wie ich eingewiesen wurde.
Mein Gott war ich glücklich, ich hatte 10 Wochen lang jeden Tag GENAU 1600 Kalorien gegessen (und unmengen an Geld darin verschwendet an dem einen PC in der Klinik jeden Tag diese Kalorien auszurechnen) und kein Gramm zugenommen! - Das strenge Sportprogramm, das ich mir damals verordnet hatte und unter anderem 5000 Hampelmänner auf dem Zimmer beinhaltete sei dabei zu vernachlässigen -.-

Was danach folgte war meine erste Therapie, unter Androhung einer akuteinweisung ins Krankenhaus, begann ich zu essen. Und zu essen. Und: Zu Essen!
Auf Sport hatte ich zu diesem Zeitpunkt chon keine Lust mehr und um ehrlich zu sein: Ich habe diese Lust bis heute auch nicht wiederentdeckt. Sie verstaubt wahrscheinlich unter meinem Sofa und da kann sie meinetwegen bleiben.
Ich nahm also auf 51 Kilogramm zu und merkte eines Morgen, dass ich nicht mehr in meine graue Kinderhose passte, ja, ihr kennt sie aus vorherigen Posts. 

Ich war am Boden zerstört! Was war nur passiert? Plötzlich war ich FETT! (Fett nach der Definition einer völlig gestörten 16 Jährigen, denn objektiv können wir alle beurteilen, dass 51 Kilo ein knapper 18,5 BMI ist)

Ich glaube mein letzter Post stammt aus der Zeit kurz vor dieser Bahnbrechenden Erkenntnis denn ab da ging es wieder bergab. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich meine 39 Kilo wieder und fühlte mich besser als jemals zuvor!
Nein, war nur ein dummer Scherz, es ging mir echt dreckig. Wenn ich eines lernen durfte, dann ist es, dass es mir mit keinem Gewicht wirklich gut geht, solange ich mit mir selbst, also meinem Inneren unzufrieden bin.
Blöd, dass es einen weiteren Klinikaufenthalt gedauert hat, bis ich das bemerkte. Und noch blöder, dass es einen dritten benötigte bis ich es endlich einsehen konnte.

Wobei mir mal wieder eine fließende Überleitung gelungen ist zu der Frage:
Wo stehe ich heute?
Tja. Die traurige Wahrheit ist, dass ich nun, mit meinen zarten 17 Jahren, schon meinen 3. Klinikaufenthalt hinter mir habe und zu meiner Schande gestehen muss, dass ich immernoch sehr untergewichtig bin. (Mal mehr und mal weniger)
Ich baue mir mein Leben um meine Krankheit herum, ws oft anstrengend ist, aber mmernoch besser als NUR die Krankheit zu leben, wie ich es vor dem Korso getan habe. Im Moment gebe ich mir Mühe zu leben, Mühe zu essen und Mühe alles zutun, damit ich irgendwann mal wirklich wieder Hanna ein kann.

Vielleicht freut es euch wenigstens zu hören, dass ich nicht mehr so drastisch zwischen dem Federmädchen und Hanna unterscheide, viel mehr ist ds Federmädchen im Laufe meiner Therapie zu der kleinen Hanna geworden, die ihre Bedürfnisse versucht auszudrücken. Ist nicht leicht zu versteeinen liebevolleren lick auf mich zu bekommen, auch wenn ich krank bin.




Es gibt noch vieles zu beantworten, die Frage des Wo stehe ich ist wenig ausführlich beantwortet und um uch noch zu erläutern wo ich hinwill reicht eure Leslust wahrscheinlich auch nicht mehr aus.
Vielleicht steht noch etwa im Raum, was ihr euch fragt.
Wieso kommt Hanna zurück und weckt die alten Geister, den gechlossenen Blog wieder auf?
Hm. Gute Frage. Das hat mehrere Gründe. Zum einen habe ich einen ganz anderen Blick auf meine Krankheit gewonnen, der es mir erlaubt all die widerlichen Götterspeisenrezepte , die ich vor einem Jahr noch angepriesen habe jetzt zum kotzen zu finden , zum anderen habe ich ein unglaubliches Mitteilungsbedürfnis und drittens bin ich so oft wieder zurückgekommen um zu bemerken, dass das Interesse an meinem Blog nie komplett abgebrochen ist und doch immer wieder die Frage kam, wie es mir wohl ginge.
Wenn ich mir noch die Mühe machen würde, dann könnte ich noch viel mehr Gründe aufzählen, aber ich spare mir lieber noch ein paar Interessante Inhalte für die folgenden Posts auf, denn ihr werdet wieder von mir hören.
Versprochen!
Hanna

P.S Liebe Mama. Ich weiß, dass du öfter mal durch meinen Blog stöberst. Um dein Gedankenkarussell zu stoppen: Das hier ist keinPro Ana Blog, der Horror von vor zwei Jahren geht NICHT wieder los und ich kann keine Gedanken lesen, ich kenn dich einfach zu gut, Mamabär.

Kommentare:

  1. Hey Hanna!
    Ich finde es richtig toll, dass man mal wieder etwas von dir hört. Deine Reise ging ja ziemlich drunter und drüber. Für die Zukunft wünsche ich dir von ganzem Herzen, dass du die Magersucht einmal hinter dir lassen wirst und wünsche dir viel Kraft! (:

    Liebe Grüße! Lisa

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  2. Schön wieder von dir zu hören!!
    Ich wünsch dir weiterhin ganz viel Kraft und dass du es irgendwann schaffst!

    Liebe Grüße
    Amanda

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  3. Ich musste grad zwei mal gucken, nicht das ich mich irre. Aber da bist du wieder und ich freu mich sehr darüber endlich wieder etwas von dir zu lesen :)
    ich wünsche dir alles Gute für deinen Weg! Und du bist wirklich ein hübsches Mädchen :)
    Liebste Grüße
    Mena <3

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  4. Das freut mich sehr von dir zu hören und das du deine Krankheit jetzt mit anderen Augen siehst :)
    Du bist ein so starkes Mädchen !!

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  5. Hanna, ich bin grad so froh von dir zu hören. Ich freu mich wirklich, wirklich, dass du deinenBlick ändern konntest und ehrlich gesagt auch auf deine Posts. Ich liebe es, wie du schreibst.

    Ich würd mir so sehr für dich wünschen, dass du all das hinter dir lassen kannst <3

    Alles, alles Liebe!

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  6. Dieser Post macht mich unendlich traurig. Und glücklich zugleich.
    Du kennst mich nicht, ich habe hier nie geschrieben, war eine der stummen Seelen, Augen auf Worte geheftet, in der Hoffnung, es irgendwie sehen zu können. Was genau, weiß ich selbst nicht.
    Ich weiß nicht, was ich sagen soll und mir stehen die Tränen in den Augen, aber ich hoffe wirklich für dich , dass Du so bald wie auch nur möglich findest, wo Du bist und sein wirst und wo Hanna sich in all ihren wundervollen Eigenschaften zeigen kann. Und das wirst Du. Ich glaube an dich. Und so viele Menschen ebenfalls. ch hoffe, Du auch.

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  7. Ich konnte es grad gar nicht glauben, als ich am Dashboard einen Post von dir gelesen habe o.o Wahnsinn
    Ich finde es toll, dass es dir besser geht, aber auch traurig, dass du noch nicht gesund bist.

    Ich freue mich wahnsinnig, dass du nun wieder bloggst ♥

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  8. Schön von dir zu hören. Ich wünsche dir alle Kraft der Welt und ganz viel Liebe zu dir selbst, damit du endlich das Federmädchen hinter dir lassen kannst. Das Leben hat so viel schönes zu bieten und ich hoffe, dass du es bald in vollen Zügen genießen kannst. Nur das Bester für dich ♥

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  9. Hallo Hanna,
    wie all die anderen, hätte ich nie gedacht, nochmal etwas von Dir lesen zu dürfen. Ich freue mich rießig darüber. Das Du nicht vollkommen genesen bist, tut mir leid. Es freut mich aber zu hören, das es noch mehr in Deinem Leben gibt als die Krankheit.
    Was ich Dir schon immer sagen wollte....
    Ich bewundere Deinen schreibstil, ich liebe ihn und ich würde sofort ein Buch von Dir lesen..
    Alles liebe für Dich

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  10. Schön wieder etwas von dir zu hören, man merkt richtig, dass du verstanden hast, dass du krank bist (nicht böse gemeint!!!! Aber Einsicht ist der erste weg zur Besserung! Du strebst nicht mehr den 'thinspo' oder SizeZero an, hoffe ich, und das ist gut).
    Du bist stark, auch wenn der weg noch so schwer ist, wird es immer besser und du wirst es schaffen.
    Ich wünsche dir alles gute weiterhin.

    PS: tolle Bilder, ich hoffe du siehst dich darauf nicht als 'fett'.

    Machs gut kleines :)

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  11. ich bin gerade wieder durch zufall nach langem auf deinen blog gestoßen, und war echt überrascht als ich einen neuen post von dir gesehen habe! ich freue mich gerade wahnsinnig, dass du nun wieder bloggen willst und glaub nicht, dass sich hier niemand gefragt hat wie es dir in dieser zeit ergangen ist. es ist zwar traurig zu lesen, dass die krankheit noch nicht losgelassen hat, aber immerhin bist du langsam aber sicher auf dem weg zur besserung :)
    du bist übrigens wahnsinnig hübsch, und ich hoffe du weißt dass du keinesfalls dick bist! liebe grüße

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  12. Ich kann nicht glauben, dass du wiederzzurück bist. Herzlich Willkommen.
    Lenchen

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