Ballast

Start: 73 - 60 , 59 , 58 , 57 , 56 , 55 , 54 , 53 , 52 , 51 , 50 , 49 , 48 , 47 , 46 , 45 , 44 , 43 , 42, 41 ,(40) , 39 , 38,37,36, 35 - 1,66 cm

Samstag, 23. August 2014

Wie im Wahn

Ich habe...
Keine Zeit zum denken, ich habe keine Zeit zum reden. Ich habe keine Zeit zu atmen und keine Zeit zum leben.
Ich bin...
ständig auf dem Sprung und ständig schon beim nächsten, Moment, den ich nicht habe, denn ich lass mir keine Ruhe.
Ich will...
alles was ich brauche und brauche mehr als wirklich geht, ich kann Ziele nicht erreichen, weil kein Ziel in festen steht.
Ich denke...
nur für die Sekunde, aber selbst in der Sekunde nicht sehr viel. Jede Sekunde kostet Kraft, Kraft die ich nicht habe, aber gerne haben will.
Ich habe...
nicht mehr wirklich viel, vielleicht nicht mal mehr mich selbst, vielleicht hab ich nur noch das, was in meinem Kopf passiert.
Ich wünsche....
mir Geborgenheit. Wünsch mir einfach nur noch Frieden. Frieden nach dem langen Krieg, der mich zu dem werden ließ, was ich niemals werden wollte, was ich trotzdem plötzlich bin. Ich wünsch mir die Vergangenheit, die mich anscheinend verließ, als ich entschied, jemand zu sein, der ich einfach nicht sein sollte.

Ich habe keine Zeit zum denken. ich bin nur noch auf dem Sprung. Ich stehe morgens auf, dann gehe ich zur Schule, dann gehe ich zur Arbeit und dann gehe ich nach hause, dann verfolge ich im Wahn, irgendwelche Projekte und dann falle ich ins Bett, ohne den Tag wahrgenommen zu haben. Denn am nächsten Morgen steh ich auf und dann muss ich schon zur Schule. Und ich habe keine Zeit zu denken, keine Zeit zu reflektieren, denn wenn ich einfach nur noch lebe, kann mir wohl nicht mehr viel passieren.
Neuestes Projekt:
 http://bleib-stark.com/wettbewerb/?id=1819&mode=b

Dienstag, 12. August 2014

Bleib Stark

Hallo ihr lieben,
nach etwas längerer Pause melde ich mich zurück. 
Um ehrlich zu sein, will ich gar nicht so viel von meinem Urlaub in Chartres erzählen.
Ich hätte wissen müssen, dass der Ort, an den ich mich immer erinnert habe, von dem ich immer geträumt habe, nicht der gleiche sein würde wie damals. Oder anders, der Ort, der in meinen Gedanken so wunderschön gewesen ist, konnte gar nicht der Gleiche sein, nachdem ich mich so verändert habe. Chartres, wie es heute ist, hatte gar keine Chance, an das Chartres ranzukommen, das es damals war, weil die Hanna, die es damals wahrgenommen hat einfach in der Lage war es schöner, vollkommener, sorgloser zu sehen, als die Hanna der Gegenwart.
Der Urlaub war einfach nur anstrengend. Ich war drei Jahre lang nicht mehr mit meiner Familie weg und das einzige, was ich nach drei Wochen abschließend sagen kann ist: 
Ich gehöre einfach nicht mehr dazu. Meine Familie ist nicht mehr meine Familie. Meine Brüder interessieren sich nicht mehr für mich,(ich gehe so weit zu sagen, dass einer von beiden mich sogar verachtet) meine Mutter ist nur noch genervt von mir und ich habe drei Wochen nur Trost in meiner Essstörung gefunden, nur mit dem Wunsch bald wieder nach Hause zu können. Ich kann sagen, dass ich drei Wochen lang das Gefühl hatte, dass meine Familie viel glücklicher ohne mich gewesen wäre. Von außen betrachtet ist meine Familie perfekt. Ohne mich. Das macht mich traurig, weil ich gerne gebraucht werden würde. Ich würde gerne einfach so lieb gehabt werden wie ich bin. Aber das geht wohl nicht mehr.
Es tut mir leid, dass ich gerade in depressiven Gedanken ertrinke, keiner will so etwas lesen, aber ich kann es einfach nirgendwo sonst loswerden. Es lässt mich verzweifeln und es lässt mich ernsthaft wünschen meine Mutter hätte mich niemals bekommen. Meine Familie hätte einen wunderschönen Urlaub verbringen können ohne mich. Meine Familie hätte sicherlich ein wunderschönes Leben. Ohne mich.


CUT

Jetzt bin ich wieder daheim und es geht mir erstaunlich gut. Ich habe mein Struktur zurück, ich habe mein Leben zurück, ich habe meine Arbeit zurück, ich habe meine Ruhe zurück und ich habe etwas neues entdeckt, etwas altes. Meine Kreativität!
Zur Zeit arbeite ich an einem Projekt zum Thema 'Gegen Cannabis'. Es ist von der Stadt Hamburg organisiert und läuft noch ca. 7 Wochen. Ich habe bereits zwei Beiträge eingereicht und nun brauche ich Menschen, die für meine Bilder voten (ja, du hast das ganz richtig verstanden, ich brauche DICH) 
Es kann jeden Tag einmal gevotet werden auf der Seite www.bleib-stark.com
Ich habe mir dieses Projekt nicht ausgesucht, weil ich vehement gegen Cannabis bin, im Gegenteil, ich bin der Meinung jeder Mensch, der ein Gewisses Alter erreicht hat, darf selbst entscheiden, was er mit seinem

Leben tut, es ist mir völlig egal, ob Uschi aus dem 5., die Bankangestellte, immer nach Feierabend einen Joint raucht um runterzukommen. Das stört mich nicht im geringsten. Anders sieht es natürlich mit Jugendlichen aus, hinter deren Drogenkonsum ernsthafte Probleme stecken, die zu Hause, geschlagen werden, die in der Schule Mobbing ausgesetzt sind, die im Internet fertig gemacht werden, die unter Notendruck stehen, etc. etc. etc. Jugendliche, die einfach merken, dass das Leben mit kiffen einfach ein bisschen erträglicher wird. Solche Menschen sollten nicht unaufgeklärt in die Suchtfalle tappen (denn ohja, ich weiß wie leicht das geht und wie viel Lebenszeit tatsächlich dabei draufgeht, ohne, dass man es zunächst realisiert).
Ich habe mir das Projekt aber vorallem deshalb ausgesucht, weil es mir hilft meine eigene Sucht in den Griff zu bekommen. Ich meine es ernst, ich saß Stunden an meinen Projekten, habe die Zeit vergessen und meine Sucht vergessen, ich war kreativ und einfach nur glücklich. Ich kam von meiner Arbeit im Café nach Hause und habe mich gefreut etwas normales tun zu können.
Liebe Menschen da draußen, denen es oft schlecht geht, die sich in einer nie enden wollenden Spirale aus krankheit und Symptomatik befinden
Sucht euch ein Hobby! Es ist so, so, so,so gut zu wissen, dass da etwas ist, was dich ausfüllt, etwas, was nicht die Essstörung ist. Und seit langem habe ich endlich mal wieder sowas wie Hoffnung .
Also liebe Leute, wenn ihr mögt, dann besucht die Seite doch mal und votet für mich, jeden tag ist ein vote möglich (für beide Bilder) ich würde mich sehr freuen!
Es tut mir im Übrigen wirklich Leid, dass dieser Post so wenig tiefgründig und durchdacht ist. aber ich bin einfach nur müde und will in mein Bett. Ich versprech euch, nächstes Mal denk ich nach, bevor ich schreibe ;)

Freitag, 11. Juli 2014

Care

Ihr kennt sie alle. Diese Menschen, von denen ihr euch wünscht, ihr wäret ihnen nie begegnet. 
Sie sind überall, lauern hinter jeder Ecke und überraschen dich in allen Situationen deines Lebens.

Du triffst sie im Bus. Es ist der abgerissene Junge, der nicht aufsteht, während eine Alte Dame mit dem Gleichgewicht kämpft. 
 Der Alte Herr, aus dem Nachbarhaus, der regelmäßig die Polizei ruft, wenn die Musik zu laut ist, oder Jungs gegen sein Garagentor Fußball spielen.
Es ist der Typ, der im Cafe immer zehntausend Sonderwünsche hat, aber nie Trinkgeld gibt, oder der Lehrer, der alle Abgabefristen immer viel zu genau nimmt.
Man trifft sie am Arbeitsplatz, der unfähige Kollege, dessen Jobs du immer übernehmen musst, weil er es nicht auf die Reihe bekommt, es ist der Mensch, der mit seinem vier/fünf/sechser BMW ständig auf dem Behindertenparkplatz parkt, obwohl er offensichtlich kerngesund sind.
Es ist das Mädchen in der Bahn, dass dich die ganze Zeit böse anschaut, obwohl du noch so freundlich zu lächeln versuchst.
Es sind all diese Menschen über die du nur den Kopf schüttelst, denen du vielleicht nur ein stummes 'Arschloch' hinterherwirfst, aber ansonsten keine Gedanken verschwendest.
Aber vielleicht, ganz vielleicht, ist es wichtig genau das mal zutun.

Der Junge aus der Bahn zum Beispiel. Vielleicht lebt er sein ganzes Leben lang schon in einem kleinen Reihenhaus, mit seinen fünf Geschwistern und seinen Großeltern zusammen. Sein Vater trinkt und verprügelt die Mutter ständig. Er ist von zu Hause abgehauen, fährt die ganze Nacht schon in Bus und Bahn umher, weil er ansonsten keinen Platz hat, an dem er schlafen kann. Er bemerkt die alte Dame nicht. Er ist zu müde und zu traurig.
Dieser Junge hätte es verdient mal in den Arm genommen zu werden.

Der alte Herrwar 50 Jahre lang mit seiner Frau verheiratet, er war sehr glücklich in seinem Leben, auch wenn er immer zu kämpfen hatte. Er verdiente nicht viel, aber das was er hatte legte er zurück, um sich seinen Traum eines unbeschwerten Lebensabends mit seiner Frau zu verwirklichen. Manchmal half er am Haus der Jugend aus. Schnell bemerkten die Jugendlichen, dass das alte Ehepaar wehrlos war und Bargeld im Haus besaß. Eines Nachts brachen sie ein und beraubten die Beiden. Die alte Dame überraschte die Einbrecher, bekam einen Schlag auf den Kopf und starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Dieses Erlebnis hat den alten Mann gebrochen. er hat sein Vertrauen verloren, seine Ersparnisse und seine Frau. Er sieht keinen Grund mehr freundlich zu sein, innerlich zerfressen und getrieben von Verzweiflung und Existenzangst.
Dieser Mann hätte es verdient, dass man ihm hilft wieder Vertrauen in die Menschheit zu gewinnen.

Der unfähige Kollege vom Arbeitsplatz ist zweiunddreißig. Er wird jeden Morgen von seiner Mutter geweckt. Seine Tasche steht schon am Esstisch, mit einem Marmeladenbrot und einem Brot mit Käse in der Tupperdose. Sie rückt ihm seinen Schlips zurecht und schaut ihm nach, wie er ein bisschen verloren über die Einfahrt stolpert um noch rechtzeitig seinen Bus zu bekommen. Er war schon immer der Verlierertyp gewesen, als Frühchen geboren, in der Entwicklung verzögert, war er schon immer gemobbt und in der Schule nie akzeptiert worden. Als er endlich seine Schule beendet hatte, begann er mit der Suche nach einem Arbeitsplatz, aber niemand wollte ihn haben. Es gab offensichtlich keinen Platz für ihn.
Egal wie sehr er sich bemühte, Bewerbungen schrieb und sich vorstellte. Sobald die Menschen ihn persönlich kennenlernten, ihn unsicher vor sich herstottern hörten, verloren sie ihr interesse. Ließen ihn fallen.
Als er doch endlich in einem Betrieb angenommen wurde, war er unglaublich stolz, seine Eltern luden ihn ins Restaurant ein und sie stießen an. Er bemühtsich, er ist jemand, der sich immer bemühen muss in seinem Leben. Ihm wird nichts hinterhergeworfen, das wurde es noch nie.
Dieser Mensch hat es verdient, ihn jeden Tag aufs neue zu unterstützen.

Care
Und dann ist da noch das Mädchen in der Bahn. Sie hat zu viel erlebt für ihr Alter. Sie hat eine schwere Krankheit, schon drei Klinikaufenthalte hinter sich und so gut wie alle sozialen Kontakte verloren. Seitdem sie umgezogen ist, fühlt sie sich fremd, egal wo sie ist. Sie kommt gerade von der Arbeit, wo sie den Typen getroffen hat, der nie Trinkgeld gibt und immer zehntausend Sonderwünsche hat. Sie hat den ganzen Tag gelächelt, war fröhlich. Hat stundenlang heile Welt gespielt und versucht alles Belastende zu verdrängen. Erst in der Bahn beginnt die Fassade zu bröckeln. Sie sieht den Mann, der sie so net anlächelt, aber all die Wut, die sich so lange aufgestaut hat, lässt ihre Gesichtsmuskeln verkrampfen. Sie hat keine Kraft zurückzulächeln. Es wäre ja ohnehin wieder nur gelogen.
Dieses Mädchen bin wahrscheinlich ich.

Meine Mama hat mir immer gesagt, wenn ich solche Menschen getroffen, mich über sie aufgeregt habe.
"Stell dir all diese Menschen als kleine Kinder vor. Du weißt ja garnicht, was ihnen passiert ist, vielleicht wurden sie zu Hause geschlagen, oder so."
Ich finde es ist ein schöner Gedanke,den meine Mama da hatte. Sie hat den gedanken jedem menschen eine Chance zu geben, egal wie schlecht er einem erscheint.
Hinter all diesen Momentaufnahmen, in denen wir uns Meinungen bilden , verstecken sich Schicksale, die wir nicht kennen, aber die wir kennen sollten, um wirklich ein Recht zu haben, diese Menschen zu verurteilen. 
Vielleicht denkt ihr das nächste mal, daran, wenn ihr diesen Menschen begegnet. 
Ich glaube jeder von ihenen hat es verdient, dass wir einfach weiterlächeln, auch wenn wir eigentlich den gegenteiligen Impuls haben. Vielleicht klappt es nicht immer, aber wenn zu einem unter hundert die Nachricht durchdringt, das Lächeln durchdringt, war es das doch wert.

Ich verabschiede mich für die nächsten drei Wochen. Ich verreise.
Ich hasse es Koffer zu packen. Ich bin nicht der Mensch, der sich gerne entscheidet, also habe ich mich dieses Mal dafür entschieden mich nicht zu entscheiden und habe einfach alles greifbare mitgenommen (und die Hälfte trotz allem wahrscheinlich vergessen.)
Ich hoffe ihr genießt die Sonne, ihr genießt die Zeit und ihr macht etwas drauß (ja, ich kennen den unterschied zwischen Leben und Leben, also dem leben, von dem man in drei Jahren sagt, man hätte es verschwendet und dem Leben, von dem man noch in Jahren erzählt.)
Ich werde nun mal ein bisschen Leben, denn wisst ihr wohin die Reise führt?
Nach Chartres.

__________________________________________________________________________________
Edit, alle Rechte an den Bildern, die ich hochlade liegen bei mir(everything real made by hanna), ich wäre sehr glücklich, wenn sie nicht für irgendwelche dubiosen Seite missbraucht würden :))


Sonntag, 6. Juli 2014

Leider, Leider.

Leider bin ich gerade zu 100% wütend auf dich.
Ich würde dir gerne so viel sagen, aber ich weiß nicht, wie ich es tun soll, denn leider werde ich wahrscheinlich zu weinen anfangen. Du wirst es ohnehin nur als komische Laune abtun, denn leider verstehst du mich nicht.
Du bist meine beste Freundin, mein Bär, der immer mit breitem Kreuz vor mir steht, du verstehst mich....meistens.
Leider bist du auch mein ärgster Feind. Du kennst mich zu gut, du weißt wo du draufschlagen musst damit es weh tut (du weißt aber auch wie man tröstet) und leider schlägst du sehr gerne um dich.
Ich hab dich lieb und ich würde es dir gerne, immer jeden Tag zu jeder Minute, jeden Moment zu jeder Sekunde zeigen, aber leider willst du es nicht sehen. 
Ich möchte es dir immer recht machen, möchte jede Chance nutzen um ein liebes Wort von dir zu erhaschen, möchte, dass du mich drückst, dass du mich lieb hast, dass du mich einfach so nimmst wie ich bin. 
Leider bist du ein Mensch, der das nicht kann. Ich trage in meinem Leben verschiedene Kämpfe aus, meinst du, dein persönlicher Kampf gegen meine Essstörung würde irgendwas erleichtern? Leider nicht. 
Ich weiß, dass du denkst, du würdest mir damit helfen. Tust du leider nicht.
Ich verstehe dich nicht. Ich verstehe dich nicht immer.
Ich verstehe nicht, warum du immer alles kontrollieren musst, ich verstehe nicht, warum du mich nicht einfach mal sein lässt. Meinst du nicht, dass würde den Kontakt zwischen uns verbessern?
Merkst du überhaupt wie du mir immer und immer wieder wehtust?
Merkst du eigentlich wie ich immer versuche dir mit allem möglichen zu helfen? Dir Probleme abzunehmen, (obwohl ich anscheinend dein größtes Problem bin) dir den Rücken zu stärken und dir das Gefühl zu geben der beste Mensch meines Lebens zu sein? Merkst du eigentlich wie oft ich deinetwegen weine? Ich glaube leider, du merkst es nicht.
Wie auch. Du verbringst deine Zeit ja meistens damit zu rauchen. In dieser Zeit störe ich nur. Oder du spielst an deinem Handy. Dann habe ich nichts bei dir zu suchen. Immer wenn ich dann versuche Kontakt mit dir aufzunehmen, gibst du mir das Gefühl unerwünscht zu sein. 
Okay. Ich stör dich lieber nicht. Tschuldige, ich nerv ja nur. Naja, ich lass dich besser in Ruhe. 
Wie oft hab ich mir gewünscht, eine Figur in deinem Handyspiel zu sein. Für deine Gildenmitglieder bist du doch auch immer da, oder nicht? Hast du nicht gesagt, du bist sowas wie die Gildenmama? 
Leider bin ich nuneinmal wer ich bin.
Was glaubst du eigentlich, warum ich die meiste Zeit von zu Hause flüchte? Mich in Arbeit vergrabe? Vielleicht, weil ich so gerne in deiner Nähe bin, aber dich leider nicht ertragen kann.

Ja Mama, du bist sauer auf mich. Knall ruhig mit den Türen. ist schon okay. Gib mir nochmal das Gefühl ein schlechter Mensch zu sein, benimm dich nochmal so richtig erwachsen!Hey breite doch einfach mal alle Aspekte unseres streits vor meinen Brüdern aus, versuch mich doch nochmal richtig bloszustellen. Hau nochmal drauf, wenn du Glück hast geh ich diesmal wirklich kaputt. Ist es das was du willst. Was muss ich tun, damit du dir mal wieder richtig Zeit für mich nimmst? Muss ich mir wieder den Kopf blutig schlagen? Da hast du mal wieder richtig Emotionen gezeigt. Gut, leider waren es keine positiven, du hast die Chance gewittert mich nochmal blosszustellen. Aber immerhin.

Tja. Nichtmal die Hälfte von dem was bewegt ist gesagt. Aber es bringt ja ohnehin nichts. Ich sehe es vor mir, wie du das hier liest (denn du musst das hier lesen,du liest es immer. Warum? Vielleicht gibst du Morgen nochmal irgendeinen verächtlichen Kommentar ab, um mir deutlich zu zeigen, dass du auch dieses kleine Geheimnis, alle meine Gedanken, die dich eigentlich nichts angehen, die ich extra nur mit Menschen teile, die ich eigentlich nicht kenne, entdeckt hast. Leider magst du meinen Blog nicht besonders, das wirst du mich auch hoffentlich ordentlich spüren lassen) 
Du wirst das hier gelesen haben, wirst immer wütender geworden sein, wirst manchmal verächtlich geschnaubt haben. Du wirst dir eine Erlärung zurechtlegen, warum ich das hier geschrieben habe, die entweder damit zutun hat, dass ich krank bin, dass sich alle gegen dich verschworen haben, oder dass ich mal wieder irgendeine komische Laune am Wickel habe. 
Aber die richtige Lösung wird dir nicht in den Sinn kommen. Schade eigentlich.
Leider wird dich dieser Post wahrscheinlich nur wütend machen. Ist mir egal. Du hättest ihn ja nicht lesen müssen. Du hättest ihn nicht lesen müssen, wenn du meiner Bitte gefolgt wärest, nicht mehr meinen Blog zu besuchen. 
Weißt du. Leider hab ich dich lieb. Deshalb tut es mir immer so weh, wie du mit mir umgehst.
Ja, sicher liegt es nur daran, dass ich so empfindlich bin und dass ich in alles etwas reininterpretiere, komm lach nochmal genervt, damit fühle ich mich gleich ein bisschen besser.


Und was soll ich jetzt machen? Ich geh jetzt ins Bett. Ich hab keine Lust mehr, mir Gedanken zu machen.      Aber willst du dir nicht ein paar machen? Zum Beispiel, ob nicht meine Essstörung und meine Arbeit im Moment die einzigen Teile meines Lebens sind, die du nicht zu 100 % kontrollieren kannst?
Es ist schön zwei Dinge zu haben, in denen ich mich halbwegs sicher fühlen kann. Traurig, oder?

Das Leben wird weitergehen, so, wie es das immer tut. Ich würde dir gerne 1000 Sachen sagen. Aber es bringt ja eh nichts. Jetzt bin ich leergeweint. Zu 100 % traurig und mit dem Gefühl dir egal zu sein. Ich hab keine Kraft mich ewig gegen deine Launen zu stemmen. Du hälst es einfach länger durch auf mich sauer zu sein. Herzlichen Glückwunsch. Du liebst es doch zu Gewinnen, oder? Na, dann koste den Sieg mal richtig aus, trink mit deiner Gilde einen Zaubertrank drauf. Cheers.

Donnerstag, 3. Juli 2014

Eine kleine Geschichte

Mein Name ist Leni und ich hatte ein Problem.
Ich bin hässlich. Ziemlich hässlich sogar. Und dick. Niemand spricht mit mir. Meine Mama sagt, dass läge daran, dass ich so besonders bin. Dass besonders gleichbedeutend mit 'unnormal' ist, das verstehe sogar ich. Mein Bruder meint, es käme daher, dass ich doof bin.
Er hat recht. Schlau bin ich tatsächlich nicht. Aber ist das ein Grund jemanden auszugrenzen?
Ich kann gar nichts. Also nichts besonderes. Ich kann nicht singen, ich kann nicht besonders gut malen. Das Tanzen hab ich nie probiert, dafür war nie genügend Geld da. Naja, mit O-Beinen ist tanzen ohnehin nicht so leicht.
Als alle anfingen zu reiten, da konnte ich nicht mithalten. Ich habe Höhenangst.
Und Flugangst. Und Angst vor der Dunkelheit. Und vorm Zahnarzt (zu dem ich leider sehr oft muss, denn meine Zähne sind schief.) 
Was ebenfalls schief ist, ist meine Nase. Das störte mich am meistens, denn sie sehe ich sehr oft. Ich schiele nämlich ein bisschen müsst ihr wissen.
In der Schule wurde ich immer gemobbt und ausgegrenzt. Niemand wollte mich wirklich haben. Die Anderen sprachen selten mit mir, wenn, dann sprachen sie über mich. Oder sie lachten. 
Ich bin das, was man einen Loser nennt. Ein Opfer.
Irgendwann entschied ich, nicht mehr Opfer sein zu wollen. 
Und da begann mein Problem.
Ich machte mich schlau, ich recherchierte und suchte, tagelang, wochenlang und stieß letzendlich auf den Ursprung, auf die Quintessenz wahrer und vollkommener Coolness und Beliebheit.
Es nannte sich Fabercrombie und Bitch. 
Es heißt, wenn man eines, dieser besonders besonderen Kleidungsstücke am Körper trägt, gehöre man automatisch zu der Créme de la Créme, zu der Upper Class, dem inneren Zirkel.
 So ein Kleidungsstück musste ich unbedingt haben.
Doch ich stieß auf ungeahnte Schwierigkeiten, ein Paradox, dass es mir scheinbar unmöglich machte mein Ziel zu verwirklichen. 
Fabercrombie und Bitch hatte ausdrücklich gesagt, sie würden nur die wirklich coolen und beliebten Kids in ihrem Laden haben wollen.
Ich war nicht cool, und beliebt schon gar nicht. Aber ich würde es auch nie sein, wenn ich nicht in den Laden ginge in den ich nicht gehen durfte, weil ich etwas nicht war was ich sein wollte, aber nicht sein konnte, weil ich dort nicht hineingehen durfte. 
Es war zum verzweifeln.
Es vergingen Wochen, doch schließlich nahm ich all meinen Mut zusammen. Ich würde mich in diese Grauzone begeben, denn, wenn ich aus dem Laden rauskäme, mit einem der Kleidungsstücke, würde ich ja schließlich cool sein.

Vor dem Eingang des Ladens wurde mir wieder mit aller Wucht meine eigene Durchschnittlichkeit klar gemacht. ich hatte mein bestes Kleid angezogen und mich mühevoll frisiert, um nicht sofort als uncool enttarnt und des Ladens verwiesen zu werden, doch als ich auf eine Mauer aus nackten durchtrainierten Oberkörpern und langen blonden Haaren stieß, war mir klar, dass es schnell gehen musste.
Ich fragte einen der schönen Verkäufer, wo ich zuden Pullovern käme, denn alles war vollgebaut mit riesigen Topfpflanzen und mein schielen erleichterte mir die Orientierung in dem schummrigen Halbdunkeln auch nicht.
Der schöne Verkäufer verstand kein Wort von dem was ich sagte. Ob es an der Ohrenbetäubenden Musik lag, oder daran, dass er kein Deutsch verstand, konnte ich nicht herausfinden, denn gerade als er mir ein herzliches "Check us out on Facebook!!!", ins Ohr schrie, sah ich am Ende des Raumes ein Regal mit Pullovern. Nun war mir alles egal. Ich stieß Massen von fremden Menschen, die sich genau wie ich durch die engen Räume schoben vorbei und grabschte mir wahllos alle Größen, die es im Angebot gab. Die Ausbeute war enttäuschend. Nicht nur, dass das schlecht verarbeitete Kleidungsstück mein Budget wirklich schröpfte, es war mir außerdem zu klein. Ich suchte verzweifelt nach meiner Größe, doch sie war unauffindbar. 
Es nützte nicht. Ich kaufte mir zwei Pullover in Größe L, um sie zu Hause gegebenenfalls zusammenzunähen und verließ den Laden schnell.
Ich war zu ungeduldig die Pullover miteinander zu verbinden, schnell schlüpfte ich am nächsten Tag in den linken Ärmel des einen und in den rechten Ärmel des anderen Pullovers, um in der Schule in meiner neu erworbenen Coolness baden zu können.
Ich kam verzweifelter als jemals zuvor nach Hause, warf die Jacken in eine Ecke meines Zimmersund legte mich ins Bett. Nichts war anders gewesen. Ich war nicht cool, nicht beliebt und hübsch schon gar nicht. Gelacht hatten sie, wie immer. Gemein waren sie gewesen, wie immer. 
Meine letzte Rettung war dahin.
Erschöpft schlief ich ein.

Ich träumte. Ich träumte von einem Ort, der ganz ähnlich aussah, wie die Welt, wie ich sie kennengelernt hatte, aber nur ähnlich. Denn als ich auf die Straße ging und all die Menschen sah, konnte ich meinen Augen nicht trauen, sie alle waren hässlich und dick und ungeschickt und hatten schiefe Zähne und schielten und...
Ich sprach einen von ihnen an.
"Gibt es hier keine schönen und coolen und beliebten Menschen?" Ich war verwirrt.
Er offensichtlich auch. Er legte den Kopf schief und sah mich an (jedenfalls vermutete ich das, denn wie ich sah er wahrscheinlich nur seine Nasenspitze)
" Was meinst du?", fragte er verwundert,"Schön? Wir sind doch alle schön! Cool? Ich bin cool, du etwa nicht? Beliebt? Also ich mag mich. Ich glaube darauf kommt es doch an."
Mit diesen Worten ging er davon.

Als ich erwachte war mir einiges klar geworden. Mir war klar geworden, dass ich genau so wie ich bin, richtig bin, dass nicht ich diejenige bin, die hässlich und unnormal ist, sondern dass es die Gesellschaft ist, die versucht mir das weißzumachen. Wer entscheidet denn, was Schönheit oder Coolness bedeutet? 
Die Gesellschaft tut das! Aber was wäre gewesen, wenn ich in einer Gesellschaft aufgewachsen wäre, in der diese Worte ganz anders definiert gewesen wären?  Wäre ich ein anderer Mensch, wenn man mir mein ganzes Leben lang gesagt hätte, meine schiefen Zähne seien schön, mein Übergewicht sei sexy, meine dummheit sei cool, mein schielen sei normal...? Ich weiß es nicht. 
Also ich weiß es teilweise, ich weiß, dass ich nicht anders aussähe, ich würde nur mich selbst anders sehen.Ich glaube meine Einstellung zu mir wäre anders, ich würde nicht versuchen mich anzupassen, würde nicht versuchen müssen einem Ideal hinterherzujagen, dass jemand anderes für mich als optimal bestimmt hat. Ich wäre glücklicher.
Mein Name ist Leni und ich hatte ein Problem.
Viele Jahre meines Lebens dachte ich, dass andere Menschen bestimmen können, ob ich cool, oder angesagt bin, aber das hat sich geändert. Ich weiß jetzt, dass ich schön bin, vielleicht nicht nach gesellschaftlicher, äußerlich orientierter definition, aber nach meiner ganz eigenen.Ich habe etwas, ganz tief in mir drin, dass mir keiner wegnehmen kann.Und darauf kommt es doch an.


___________________________________________________________________________________
BilD: http://www.vogue.co.uk/news/2013/07/25/abercrombie-and-fitch-investigated-for-discrimination-against-staff
Ich möchte hier ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich in keiner Weise dem bekannten Label schaden möchte, das Bild mit den gut durchtrainierten jungen Männern stammt nicht von mir, ich habe keine rechte an diesem Bild.

Dienstag, 24. Juni 2014

Mein letzter Sommer

Ich hab lange hin und her überlegt, wie ich diesen Post beginnen soll. Aber es ist mir weder etwas originelles, noch geistreiches, noch witziges eingefallen.
Also beginne ich ganz profan. Wie geht es euch? Ich hoffe es geht euch allen gut! Wenn ihr mir genauer Auskunft geben wollt, dann hinterlasst mir doch einen Kommentar! (Womit mir eine perfekte Überleitung zu dem Punkt gelungen ist, mit dem ich eigentlich beginnen wollte :D)
Eure Kommentare!
In den letzten Tagen habe ich viele schöne Dinge gelesen, in meiner ganzen Zeit in der ich bisher gebloggt habe, habe ich glaube ich keine so schönen und durchdachten, langen und ehrlichen Kommentare gelesen, wie die unter meinem letzten Post. Und dafür will ich wirklich Danke sagen. Danke, danke, danke, danke.
Vorallem habe ich aber auch bedauern herausgehört, darüber, dass ich immernoch krank bin, dass meine Posts immernoch so traurig seien...
Ja, da habt ihr Recht, leider zieht es mich vorallem wieder auf meinen Blog, wenn ich meinen depressiven Gedanken nachhänge und ich das Schreiben als Ventil brauche, aber um doch nochmal einen Sonnenstrahl auf diesen Blog zu werfen, poste ich heute. Jetzt. In diesem Moment. In dem ich weder traurig, noch besorgt, noch schwermütig bin.

Zu Anfang eine Aufgabe. Nehmt euch gleich zwei Minuten Zeit und begebt euch an einen Ort. Ihr kennt ihn alle, euren inneren, sicheren Ort. Es ist ein Ort, der Geborgenheit und Ruhe verspricht, eine Erinnerung, vielleicht an die Zeit als ihr ganz klein wart und eure Oma euch immer Pfannkuchen gemacht hat, oder das Baumhaus, das ihr damals mit eurem Bruder gebaut habt. Der Familienausflug an die Ostsee, oder einfach nur eure eigene, ganz persönliche Schaukel im Garten, an dem alten Apfelbaum. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder so einen ganz persönlichen Ort besitzt, mit dem er all die schönen Erinnerungen verknüpft, fernab von allen Sorgen, die sich im Laufe seines Lebens so in ihm angestaut haben und die ihn nicht mehr zur Ruhe kommen lassen. Nehmt euch nur zwei Minuten Zeit und begebt euch an genau diesen Ort.

Ich habe zwei sichere Orte. Der eine ist so sicher, dass er immer meiner bleiben wird, ich hab ihn ganz fest in mir drin und werde ihn mit keinem teilen. Aber der zweite ist fast genauso wichtig. Dahin nehme ich euch jetzt mit. In Hannas letzten Sommer.

Solang ich mich erinnern kann, bin ich mit meiner Familie in den großen Sommerferien in Frankreich gewesen. Drei Wochen. Drei Wochen Freibad, Hitze und Familie. Wunderschön. Aber ein Sommer ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Der Sommer 2011. Der letzte Sommer bevor der Horror mit der Essstörung begann. Wahrscheinlich ist es genau dieser Sommer, der mir als so perfekt und wunderschön, so farbenfroh in Erinnerung geblieben ist, weil danach alles so grau geworden ist. Mein letzter Sommer.
Courville ist beinahe nur ein Fleck in der Landschaft, so klein ist es. Ein kleines Dörfchen fernab von der Zivilisation, mit kleinen Läden und einem Markt, der einmal in der Woche ist. Die nächstgrößere Stadt ist Chartres, mit seiner beeindruckenden Kathedrale
Und ganz in der Nähe hatten wir unser Ferienhaus, rundherum nichts als Weizenfelder, rundherum nichts als Frieden.
Was mir ebenfalls auffällt, wenn ich durch meinen Blog sehe ist, dass ich nichts, oder nicht viel von der Hanna preisgebe, die ich damals war, aber in Chartres war ich lebendig. Ich fotografiere sehr gerne, ich zeichne und ich dichte. Viele von euch schrieben, wenn ich einmal ein Buch veröffentlichen sollte, dann würdet ihr es kaufen. Tatsächlich ist mein größter Wunsch irgendwann einmal freie Autorin und Buchillustratorin zu werden. In Chartres tat ich das alles. 


Ich erinnere mich an so vieles. An den Abend, an dem ich mit meinem Vater Vokabeln gelernt habe, an die Stunden, die ich mit meinem Bruder Tischtennis in der Garage spielte. An seinen Geburtstag, an dem ich eine riesige Portion Nudeln mit Käse-Sahne Soße gegessen hab und an das Gefühl einfach glücklich zu sein. 
An die verwinkelten Gassen in Chartres, an den alten Süßigkeiten Laden, in dem ich mir einen Zuckerlolli kaufte und ihn sofort aß. An das Französische Nougat, das es nirgendwo in Deutschland gibt. Ich erinnere mich daran, wie ich mit meiner Mutter in einem Bekleidungsgeschäft war und wir verzweifelt versuchten uns zu verständigen. Ich erinnere mich an all die Ausflüge in verschiedene Schlösser, Burgen, Wälder und Städte. Nach Paris zum Beispiel, wo ein Kellner mit mir flirtete, als ich ihn nach einer Auskunft fragte. An das Picknick, das wir schon immer dabei hatten, mit frischem Baguette, Käse, Weintrauben und Crackern. 
Niemals in dieser Zeit hatte ich das Gefühl, dass diese Stunden voller Genuss und Nichtstun verschwendet waren. Hätte ich gewusst, dass die nächsten Jahre so viel schwieriger sein sollten, dass jeder Moment, der nicht zielgerichtet und bestimmt ablief ein schlechter Moment war, hätte ich diesen Sommer wahrscheinlich noch viel fester gehalten.
Während ich das alles schreibe habe ich einen Kloß im Hals. Es macht mich traurig, all das zu schreiben, zu realisieren, wie unbeschwert und leicht alles war. Ich würde es so gerne wiederhaben. Ich wünschte ich könnte die Zeit zurückdrehen.Zurück zu meinem letzten Sommer.

 Die Sommer danach waren schwierig. Den nächsten verbrachte ich zu Hause, in dieser Zeit enstand mein Blog. Den Kopf voll mit Krankheitsgewusel. Auf der Suche nach der Kalorienärmsten Slatsorte und völlig gefangen in dem Käfig meines Kopfes.Und den Sommer darauf war ich in meiner zweiten Klinik. Niemals habe ich mich wieder so lebendig gefühlt, wie in Chartres.
Wenn ein Mensch, der sein ganzes leben lang sehen konnte, plötzlich sein Augenlicht verliert, muss er sich so ähnlich fühlen, wie ich es tue. Es kommt dir so selbstverständlich vor, du denkst gar nicht darüber nach, wenn du etwas siehst. Du siehst einen Baum, du siehst ein Straße du siehst einen Bach und plötzlich siehst du nichts mehr. Alles ist schwarz und du bist blind. Jetzt hast du noch deine Erinnerungen. All die Bilder in deinem Kopf, die plötzlich so besonders werden. Dieser wunderschöne Baum, mit all seinen leuchtenden Blättern, wo keines dem anderen gleicht.  Diese Straße, die sich endlos in die ferne zu winden scheint...Und der bach. Oh ja, dieser Bach, der langsam und ruhig vor sich hinplätschert, in dem du kleine Tiere und kräuselungen auf der Wasseroberfläche entdecken kannst, der so lebendig ist.
Die Essstörung macht einen blind, glaube ich. Blind für alles Schöne. Blind für das Leben und blind für alle Chancen. Ich wünsche mir für jeden von euch, der das hier liest, der vielleicht einen pro Ana Blog besitzt, auf dem er akribisch seine Kalorien zusammenzählt, seine neueste Diät anpreist, oder ankündigt nun doch endlich mit dem Ana Boot Camp zu beginnen, dass er die Augen aufmacht.
Mach die Augen auf! Lass das hier nicht dein letzter Sommer sein, sondern genieße ihn, als sei es dein erster.
Und so wünsche ich abschließend jedem von euch, dass er morgen aufwacht und versucht die Welt einmal so zu sehen, als würdest du nicht schon alles kennen, als sei nicht alles schon ein bisschen grau und abgestumpft, durch all das Leid, durch die Probleme und den Stress, den du schon erleben musstest. 
Sieh die Welt noch einmal wie ein blinder, der zum ersten mal sieht.

Donnerstag, 12. Juni 2014

Head Explosion

Er beugt sich über seine Patientin, sein grüner Mundschutz kommt näher, das Skalpell ebenfalls. Bedrohlich.
Sie sieht nicht wie sich seine Lippen bewegen, aber sie hört seine Worte.
"Und sind Sie bereit ihren Tumor ein für alle Mal loszuwerden? Endlich den krebs zu besiegen und leben zu können?"
Nur langsam dringt die Bedeutung seiner Worte in ihr Inneres, doch als sie dort ankommen und sich zu der Wahrheit verhärten, rollt sie sich vom OP Tisch und schüttelt den Kopf. 
"Nein, danke", sagt sie, während sie sich zur Tür bewegt. "Ich habe es mir anders überlegt."
Er zieht sich erstaunt den Mundschutz vom Gesicht. Er ist verwirrt.
"Aber ich verstehe nicht...So lange haben wir auf diesen Moment hingearbeitet, so viele Jahre haben sie sich gequält, haben gegen die Krankheit gekämpft, sind an ihr verzweifelt und haben sie verflucht, haben sich nichts sehnlicher gewünscht, als sie los zu werden! Und nun soll es soweit sein, dort wo der Tumor saß wird bald...."
"Leere sein", vervollständigt sie seinen Satz. "Sie haben recht. Ich HABE gekämpft, gelitten, wäre fast gestorben. Aber was wird dort sein, wenn Sie das Ding entfernen? Nichts wird da sein. Ein Loch wird bleiben, das nicht so einfach zu stopfen sein wird. Damals, als der Tumor noch so klein war, hätte ich vielleicht die Kraft gehabt das Loch zu stopfen, das er erzeugt hat. Aber es ist so lange her und ich kann mich nicht erinnern, was dort einmal war."
"Dort war so vieles", sagt er "Gedanken, Gefühle, Ziele, Träume, Wünsche und..."
"Einsamkeit war da. Unzufriedenheit. Angst. Zu viele Gefühle.So sehr ich all das vermisst habe in den letzten Jahren, so sehr wird mir mein Tumor im Kopf fehlen. Wie oft habe ich alleine im Bett gelegen, habe geweint und mir gewünscht, das jemand kommt um mir zu helfen. Aber niemand kam. Niemand hat mich verstanden. Klar, viele haben es versucht, aber niemand ht mich berührt. So berührt, wie mein Tumor es konnte. Ein Druck. Unangenehm oftmals, schmerzend und ziehend, aber real. Durch ihn hatte ich so oftdas Gefühl am Leben zu sein. Nicht allein zu sein, etwas zu haben, mit dem ich morgens aufstehen kann. Manchmal habe ich nicht das Gefühl, als hätte der Tumor etwas aus meinem Kopf verdrängt, er hat nur eine Leere gefüllt, die immer da war. Wenn ich nun wieder ohne ihn Leben müsste wäre ich schutzlos der Welt da draußen ausgeliefert."
Er kratzt sich am Kopf. Versteht es nicht. Sie hätte es wissen müssen, niemand könnte es je verstehen.
"Stellen Sie sich vor", sagt sie und malt eine Szene in die Luft, "Ich laufe eine Straße entlang und jemand schießt auf mich, aber er wird nicht meinen Kopf treffen, sondern nur den Tumor, der mich schützt. Wie könnte ich all das Leid ertragen, wenn ich ihn nicht hätte? Ich glaube ich würde zerbrechen. "
Er versteht immer noch nicht.
Er zögert."Aber sie wissen schon, dass ihre Lebenswahrscheinlichkeit drastisch sinkt, wenn sie sich entscheiden damit weiterzuleben...?"
Sie zuckt mit den Schultern, während sie sich ihre Jacke anzieht. "Ja", sagt sie," aber ich habe keine Kraft mehr das Loch zu füllen. Der Tumor gehört jetzt zu mir. Ich kann mit ihm Leben und werde wahrscheinlich mit ihm sterben. Weiter kann ich nicht denken."





"Hanna?", ihre Therapeutin sieht sie fragend an.
"Hmm?", Hanna hat nicht zugehört." Könnten Sie die Frage bitte nocheinmal wiederholen?"
"Ich fragte ob du bereit bist, die Krankheit ein für alle mal loszulassen!"

Manchmal, oder besser gesagt sehr oft, habe ich das Gefühl ich sei durch meine Krankheit ein schlechterer Mensch geworden. Das heißt, ich bin mir sicher! Ich weiß, dass ich nicht mehr die gleiche, liebenswerte Person bin, die ich einmal war und es tut mir weh damit zu leben. 
Es fällt mir schwer, meine Mutter in den Arm zu nehmen, weil ich mich für mich selbst schäme.Es fällt mir schwer mit meinem Vater zu reden, weil ich nicht das Gefühlt habe ebenbürtig zu sein. Ich kann nichts mit meinen Brüdern unternehmen, weil ich weiß, dass nur Leere ist, die ich geben kann, im Austausch gegen ein paar Stunden.
Ich habe das Gefühl, dass nicht ich es bin, die geliebt wird, sondern dass es nur der schwache Abklatsch der Hanna ist, die ich einmal war, den sie alle verzweifelt versuchen nicht loszulassen, den sie halten wollen, weil sie ihn vermissen und weil sie wissen, dass er entgleiten wird, wenn sie sich einmal umdrehen und wegsehen.
Aber ich brauche diese Liebe, diese Zuwendung, diese Bestätigung, damit ich meine eigenen Gefühle wegdrücken kann, damit ich tausendmal hören kann, dass ich doch liebenswert bin. Ich brauche hundertmal die selbe Lüge um mich selbst zu betäuben. Aber ich bin so verletzlich. Es reicht nur ein böser Satz, ein herablassender Kommentar, ein Gefühl, das mich völlig aus der Bahn wirft und mir ein ums andere Mal aufzeigt wie grau ich doch bin.
Am liebsten würde ich verschwinden. Nicht sterben, das versteht ihr falsch. Ich würde gerne verpuffen und die Last von all denen nehmen, die ich so sehr liebe und die mich einfach nicht verstehen. 
Sie werden nie verstehen, warum ich bin, wer ich bin, warum ich tue was ich tue und warum ich nicht lasse, was ich so sehr brauche, warum ich brauche was ich tue und warum alles was ich tue nicht gut genug ist.
Ich habe das Gefühl immer falsch zu liegen, mit allem was ich tue für das Unglück meiner Familie verantwortlich zu sein. So ist das, wenn man die Rolle eines schlechten Menschen ausfüllt. Ich weiß, es ist anstrengend. Aber irgendwer muss es ja machen.


Samstag, 31. Mai 2014

Alte Geister

Ich scrolle durch die Seiten. Es sind alte Kapitel meines Lebens, die ich immer wieder aufblättere, die ich lese, den ich manchmal hinterhertraure, die mich aber meistens schaudern lassen.
Meine Therapeuten rten mir in solchen Momenten meistens zu einer Standortbestimmung.
Fragen die dabei zu beantworten sind:
-Wo befinde ich mich gerade?
-Wo befand ich mich vor einem/zwei Jahren?
-Wo will ich hin?

Es fällt mir ein wenig schwer, diese Fragen befriedigend zu beantworten, es ist schließlich über ein Jahr her, dass ich das letze mal geschrieben habe, aber ich will es trotzdem versuchen, nicht zuletzt weil mein Herz trotz allem noch an diesem Blog hängt.

Wo befand ich mich also vor einem, beziehungsweise zwei Jahren.

Damals,vor jetzt ziemlich genau zwei Jahren, als ich in der Klinik am Korso ankam, war mein Gehirn, wie ich es hier eindrucksvoll dokumentiert habe in einem bemittleidenswerten Zustand. Mein 1damals noch 15 Jähriger Verstand hat wirklich geglaubt, dass ich in die Klinik reingehen, ein bisschen zunehmen würde (natürlich nur ein bisschen, und zwar ohne allzu viel essen zu müssen) und mit einem völlig regeneriertem Stoffwechsel und kerngesund wieder herausspazieren würde. 
Bullshit.
Als kleine Information am Rande: Wenn du als Haufen Knochen auf der Jugendstation einer Klinik ankommst, dein Zustand mit Abstand der bemittleidenswerteste und dein BMI zu allem Überfluss auch noch der niedrigste ist, wirst du von allen entweder beneidet (Team Anorexie) oder gehasst (Team Bulimie).
Oder beides. Nachdem eine meiner Mitpatientinnen mir stolz eröffnete, dass sie nach sechs Wochen Behandlung gerde einmal ein Kilo zugenommen hätte, steckte ich es mir also als höchstes Ziel genau dies auch zu erreichen.
Und, wen möge es wundern, ich verließ die Klinik mit exakt dem selben Gewicht, wie ich eingewiesen wurde.
Mein Gott war ich glücklich, ich hatte 10 Wochen lang jeden Tag GENAU 1600 Kalorien gegessen (und unmengen an Geld darin verschwendet an dem einen PC in der Klinik jeden Tag diese Kalorien auszurechnen) und kein Gramm zugenommen! - Das strenge Sportprogramm, das ich mir damals verordnet hatte und unter anderem 5000 Hampelmänner auf dem Zimmer beinhaltete sei dabei zu vernachlässigen -.-

Was danach folgte war meine erste Therapie, unter Androhung einer akuteinweisung ins Krankenhaus, begann ich zu essen. Und zu essen. Und: Zu Essen!
Auf Sport hatte ich zu diesem Zeitpunkt chon keine Lust mehr und um ehrlich zu sein: Ich habe diese Lust bis heute auch nicht wiederentdeckt. Sie verstaubt wahrscheinlich unter meinem Sofa und da kann sie meinetwegen bleiben.
Ich nahm also auf 51 Kilogramm zu und merkte eines Morgen, dass ich nicht mehr in meine graue Kinderhose passte, ja, ihr kennt sie aus vorherigen Posts. 

Ich war am Boden zerstört! Was war nur passiert? Plötzlich war ich FETT! (Fett nach der Definition einer völlig gestörten 16 Jährigen, denn objektiv können wir alle beurteilen, dass 51 Kilo ein knapper 18,5 BMI ist)

Ich glaube mein letzter Post stammt aus der Zeit kurz vor dieser Bahnbrechenden Erkenntnis denn ab da ging es wieder bergab. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich meine 39 Kilo wieder und fühlte mich besser als jemals zuvor!
Nein, war nur ein dummer Scherz, es ging mir echt dreckig. Wenn ich eines lernen durfte, dann ist es, dass es mir mit keinem Gewicht wirklich gut geht, solange ich mit mir selbst, also meinem Inneren unzufrieden bin.
Blöd, dass es einen weiteren Klinikaufenthalt gedauert hat, bis ich das bemerkte. Und noch blöder, dass es einen dritten benötigte bis ich es endlich einsehen konnte.

Wobei mir mal wieder eine fließende Überleitung gelungen ist zu der Frage:
Wo stehe ich heute?
Tja. Die traurige Wahrheit ist, dass ich nun, mit meinen zarten 17 Jahren, schon meinen 3. Klinikaufenthalt hinter mir habe und zu meiner Schande gestehen muss, dass ich immernoch sehr untergewichtig bin. (Mal mehr und mal weniger)
Ich baue mir mein Leben um meine Krankheit herum, ws oft anstrengend ist, aber mmernoch besser als NUR die Krankheit zu leben, wie ich es vor dem Korso getan habe. Im Moment gebe ich mir Mühe zu leben, Mühe zu essen und Mühe alles zutun, damit ich irgendwann mal wirklich wieder Hanna ein kann.

Vielleicht freut es euch wenigstens zu hören, dass ich nicht mehr so drastisch zwischen dem Federmädchen und Hanna unterscheide, viel mehr ist ds Federmädchen im Laufe meiner Therapie zu der kleinen Hanna geworden, die ihre Bedürfnisse versucht auszudrücken. Ist nicht leicht zu versteeinen liebevolleren lick auf mich zu bekommen, auch wenn ich krank bin.




Es gibt noch vieles zu beantworten, die Frage des Wo stehe ich ist wenig ausführlich beantwortet und um uch noch zu erläutern wo ich hinwill reicht eure Leslust wahrscheinlich auch nicht mehr aus.
Vielleicht steht noch etwa im Raum, was ihr euch fragt.
Wieso kommt Hanna zurück und weckt die alten Geister, den gechlossenen Blog wieder auf?
Hm. Gute Frage. Das hat mehrere Gründe. Zum einen habe ich einen ganz anderen Blick auf meine Krankheit gewonnen, der es mir erlaubt all die widerlichen Götterspeisenrezepte , die ich vor einem Jahr noch angepriesen habe jetzt zum kotzen zu finden , zum anderen habe ich ein unglaubliches Mitteilungsbedürfnis und drittens bin ich so oft wieder zurückgekommen um zu bemerken, dass das Interesse an meinem Blog nie komplett abgebrochen ist und doch immer wieder die Frage kam, wie es mir wohl ginge.
Wenn ich mir noch die Mühe machen würde, dann könnte ich noch viel mehr Gründe aufzählen, aber ich spare mir lieber noch ein paar Interessante Inhalte für die folgenden Posts auf, denn ihr werdet wieder von mir hören.
Versprochen!
Hanna

P.S Liebe Mama. Ich weiß, dass du öfter mal durch meinen Blog stöberst. Um dein Gedankenkarussell zu stoppen: Das hier ist keinPro Ana Blog, der Horror von vor zwei Jahren geht NICHT wieder los und ich kann keine Gedanken lesen, ich kenn dich einfach zu gut, Mamabär.

Was stört am Blog?