Ballast

Start: 73 - 60 , 59 , 58 , 57 , 56 , 55 , 54 , 53 , 52 , 51 , 50 , 49 , 48 , 47 , 46 , 45 , 44 , 43 , 42, 41 ,(40) , 39 , 38,37,36, 35 - 1,66 cm

Samstag, 26. Mai 2012

Zu satt

Ich hab es so satt.
Hab es so satt hungrig zu sein und nichts essen zu können.
Hab es so satt Fressanfälle zu bekomen, die ich ausgleichen muss.
Hab es so satt in den Spiegel zu sehen und statt der dünnen Person, die ich bin (die ich wegen meines Gewichtes sein MUSS) eine Tonne zu sehen.
Hab es so satt um jedes Essen mit meiner Familie kämpfen zu müssen.
Habe es so satt mich häaslich zu fühlen, mich nicht akzeptirern zu können, zu wissen, dass ich mit jedem Tag hungern meinen Körper weiter in den Abgrund treibe.
Hab diese Angst vor zunahme so satt.
Habe all diese blicke so satt.
Habe diese Zwänge so satt.
Aber was soll ich denn machen?

Meine Familie ist verzweifelt. Ich will nichts essen.
 Ich habe gestern ein halbes Stück Kuchen gegessen, sage ich.
Kuchen, der nach nichts schmeckte. Nur nach kalorien und fett.
Gestern ist gestern, heute ist heute! bestimmt meine Mutter.
Wenn du wüsstest, was ich gestern noch alles in mich reingestopft habe...
Ich will jetzt nichts essen. Ich habe ehrlich keinen Hunger! Zum Mittag? Ich mach mir einen Salat.

Meine Mutter macht dieses tägliche Szenario fertig, sie macht mich fertig. Sie versucht mich zum essen zu überreden, zu zwingen, sie droht, sie bettelt. Ich habe oft von Mädchen gehört, die es genießen, aber mir tut es nur unendlich leid. Ich will das nicht, aber sie versteht einfach nichts. Es geht nicht nur um essen, oder nicht-essen, um 43 Kilo oder 42, es gibt Blockaden in meinem Kopf, die ich nicht lösen kann - nicht alleine.
Aber sie versteht es nicht. Wie soll sie auch?

Die Situation spitzt sich zu. Meine Eltern werden es sich nicht mehr lange ansehen. Sie halten nicht länger still. Sie wollen Fortschritte. Veränderungen. Es wird gefährlich für mich...

Ich war heute mit meinem Vater spazieren. Ich dachte es würde ein ruhiger, entspannter Tag werden, aber er schafft es immer wieder aus unverfänglichen Themen eine unangenehme Situation zu zaubern.
Ein Beispiel: Wir stehen an einem Ameisenhügel. Es ist so heiß, so schön wie es mich wärmt, ich genieße es, strecke mein Gesicht in die Sonne und schließe die Augen.
Wo wir vorher gewöhnt haben wurden die immer umzäunt. Du würdest auch gerne wieder zurück, oder?
Ich denke über die Frage nach. Ein Moment. Gleich antworte ich.
Wärst du dort auch auf diesem Magertrip gefahren?

Wham !

Da wars wieder. So ein beiläufig eingeworfener Kommentar, der mich einfach nur auf die Palme bringt. Wieso kann ich nichts mehr mit meinem Vater unternehmen, ohne dass er seine Sprüche klopft? So bringt mir das alles kein Spaß. Wir reden normal, und plötzlich sagt er irgendwas. Über mein Gewicht, über mein Essen, meinen Körperbau. Es nervt!  

 (Aber seien wir ehrlich, ich bin selbst Schuld.)
Doch dann gibt es wieder so Momente wie vorhin. Nachher läuft der Eurovision Contest, wir haben über die Deutschen Performer geredet, darunter auch Guildo. Den mag mein Vater besonders gerne.
Plötzlich höre ich von unten Musik aus dem Wohnzimmer. "Danke" von Guildo.
Mein Vater hat die Boxen voll aufgedreht und ganz alleine tanzt er durchs Wohnzimmer, in der Sonne.
Diesen Anblick werd ich niemals vergessen. Er wirkte so gelöst und fei. So glücklich.
Und plötzlich hab ich es satt.
Ich hab es so satt ihn unglücklich zu machen! 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Schick mir ne Postkarte. Adresse unbekannt <3

Was stört am Blog?